Wer jede Wolke fürchtet, taugt nicht zum Projektleiter

Looking for an English version? Here you go: If you fear clouds…

Über den Beitrag von Thomas Michel bin ich auf die Blogparade „Projektleiter 2030“ des Projektmagazins gestoßen. Unter der Überschrift „Projektleiter 2030 – längst abgeschafft oder Schaltzentrale der digitalen (Projekt-)Welt?“ stellt das Projektmagazin unter anderem die folgenden Fragen:

Doch wie steht es um die Arbeit des Projektleiters?
Wie werden Projektleiter im Jahr 2030 arbeiten – werden sie überhaupt noch Projektleiter sein?

In meiner Rolle als Führungskraft habe ich zwar Aufgaben wie Resourcenplanung, bin für den Projekterfolg mitverantwortlich und leite schon mal selbst eine Initiative (=Projekt). Als Projektleiter sehe ich mich aber trotzdem nicht. Warum fühle ich mich nun berufen, hier etwas beizusteuern? Nachdem ich ein paar der Beiträge zur Blogparade gelesen habe, wurde mir klar dass man die Frage ebenso für viele andere Professionen (z.B. Führungskräfte, HR, …) stellen muss.

Was haben nun Wolken mit der Antwort auf die Frage zum Projektleiter 2030 zu tun? Eigentlich lautet die deutsche Redewendung ja folgendermaßen:

Wer jede Wolke fürchtet, taugt nicht zum Bauern.

Wie bitte? Projektleiter sind Bauern? Beim Versuch einer Antwort sind mir irgendwie die Landwirte in den Sinn gekommen. Und tatsächlich habe ich fünf Parallelen entdeckt, die einen Anhaltspunkt geben könnten, ob es Projektleiter in 2030 noch gibt und wie deren Arbeit aussehen wird.

DEN Projektleiter gibt es genauso wenig wie DEN Landwirt

Erstmal ist festzustellen, dass es DEN Projektleiter genauso wenig gibt wie DEN Landwirt. Die Einen spezialisieren sich auf Anbau von Lebensmitteln, die Anderen züchten Vieh, der Eine bewirtschaftet einen Wald und der Nächste macht von Allem ein bisschen. Genauso sieht es bei den Projektleitern aus. In der einen Firma werden Projektleiter aus einem Fachbereich rekrutiert, stecken tief im technischen Thema und koordinieren aber auch nur die Ergebnisse der jeweiligen Disziplin. In der nächsten Firma sind Projektleiter eher Generalisten, die von B wie Beschaffung bis T wie Termine alles koordinieren. Die einen haben dabei volle Verantwortung für ein Budget, während die anderen zwar viel koordinieren und reporten, aber dabei keinen Euro selbst ausgeben dürfen. Dann gibt es ja auch noch agile Varianten wie den „Scrum Master“. Keine Ahnung, ob sich Scrum Master als Projektleiter bezeichnen würden? Vielleicht sind das ja die Biobauern 😉

Das Spektrum ist also breit. Deshalb kann es meiner Meinung nach auch keine pauschale Antwort auf die gestellten Fragen geben. Projektleiter die keine Wolken fürchten, sprich heute ihre Teams fit für Überraschungen machen und Change als Chance und nicht als Bedrohung sehen, stehen vermutlich auch in 2030 noch hoch im Kurs.

Rise of the machines

Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Algorithmen werden auch vor den Tätigkeiten der Projektleiter keinen Halt machen und Arbeit vernichten. Ich glaube die Landwirte standen vor 100 Jahren vor einem ähnlichen Wandel, als die ersten Landmaschinen (z.B. der berühmte Lanz Traktor) aufkamen. Vermutlich war da auch erstmal große Skepsis angesagt. Heute möchte aber sicher keiner mehr auf die Unterstützung dieser Maschinen verzichten. Die körperliche Arbeit auf dem Feld war schließlich alles andere als angenehm. Die early adopters unter den Landwirten genießen heute sogar schon die Vorzüge der nächsten industriellen Revolution. Big Data und Sensoren erlauben predictive maintenance bei Maschinen, Vorhersage von Krankheiten beim Vieh und optimieren Saat und Ernte.

Rise of the machines
Zuckerrübenernte | CC0 distel2610 on Pixabay

Auch bei Projektleitern gibt es viele manuelle Tätigkeiten, die man sicher liebend gerne automatisieren lässt. Da werden mit hohem manuellen Aufwand Excelsheets gepflegt und Hunderte von Stunden werden mit dem Erstellen von Reports verbraten. Wer würde das nicht gerne von Maschinen übernehmen lassen? Roboadvisor könnten bei Budgetentscheidungen helfen, im Risikomanagement können wir dank Big Data in Sekundenschnelle Eintrittswahrscheinlichkeiten berechnen und mit Alexa hat jeder Projektleiter seine eigene Assistentin. Die gleichen Überlegungen kann man leicht für die anderen genannten Disziplinen anstellen. Ich freue mich jedenfalls auf die Hilfe durch Maschinen! Lieber Leser, welche „Landmaschine“ hättest Du gerne? Welchen „Knochenjob“ würdest Du dir gerne abnehmen lassen?

Wird es Nebenerwerbsprojektleiter geben?

Bei den Landwirten hat die industrielle Revolution dazu geführt, dass viele nur noch im Nebenerwerb tätig wurden. Werden wir bei Projektleitern ein ähnliches Phänomen beobachten können? Dank Digitalisierung kann ja ein Projektleiter mehr Projekte gleichzeitig übernehmen. Da es erstmal auch viele Digitalisierungsprojekte geben wird, gibt es wohl keinen Grund zur Panik. Aber warum nicht die Chance des Nebenerwerbsprojektleiters ergreifen? Am Morgen ist man Projektleiter, am Nachmittag Handballtrainer. Auf der Jobsharingplattform tandemploy gibt es 60 Personen, die Projektleitung in ihrem Profil haben. Es gibt sie also schon heute, die Nebenerwerbsprojektleiter.

Kreativität gewinnt

Und wie bei den Landwirten wird man wohl auch bei Projektleitern eine zunehmende Differenzierung beobachten können. Der Eine spezialisiert sich auf Gallowayrind, der Andere verschafft historischen Kartoffelsorten eine Renaissance und wieder ein Anderer baut neue Getreidesorten an und braut daraus Bier. Der Wettbewerb zwingt zur Kreativität und Erschließung neuer Geschäftsfelder, zum Beispiel im Tourismus.

Wird es das auch bei Projektleitern geben? Möglicherweise schon. Also was wäre denn Differenzierung bei Projektleitern? Wie wäre es mit Innovationsmethoden im Portfolio? Oder vielleicht bietet man auch eine Versicherung für Projektrisiken an? Lass Deinen Gedanken mal freien Lauf und wirf einen Blick auf die Landwirte.

Landwirte und Projektleiter lassen wachsen

Farmer
Photo by Allef Vinicius on Unsplash

Beim Vergleich von Landwirt und Projektleiter ist mir eine Gemeinsamkeit aufgefallen, die mich am meisten fasziniert. Der Landwirt lässt Pflanzen oder Tiere wachsen. Der Projektleiter lässt ein Team wachsen. Beim Landwirt benötigt das die Liebe zur Natur und zum Tier. Beim Projektleiter braucht es die Liebe zum Menschen. Das Projektmagazin stellt die Frage, ob der Projektleiter nur noch die Koordinationsstelle für die Projektbeteiligten ist. Ich glaube das reicht nicht. Der erfolgreiche Projektleiter lässt seine „Pflanze“ Team wachsen. Er stellt sicher dass der „Boden“ fruchtbar ist, das Team genug „Sonne und Regen“ abkriegt und ab und zu muss er sich auch mal ums „Unkraut“ kümmern. Maschinen und Algorithmen werden ihn vielleicht dabei unterstützen. Die Maschine wird aber wohl kaum die Leidenschaft für das Menschliche entwickeln. Und das Thema Nachhaltigkeit spielt für Maschinen vermutlich erstmal auch keine Rolle. In der Landwirtschaft ist schon heute der schonende Umgang mit Ressourcen ein großes Thema. Ich denke auch der schonende Umgang mit Menschen wird in der Wirtschaft ein grösseres Thema werden. Menschen und Nachhaltigkeit werden also sehr wahrscheinlich die Facette des Projektleiters in 2030 sein, die viel stärker zur Geltung kommt.

Fazit

Wie wird die Rolle des Projektleiters nun in 2030 aussehen? Ich habe leider keine Glaskugel. Aber wenn man die Rolle des Landwirts mal als Vorbild nimmt, muss einem nicht bange werden. Maschinen werden viele mühsame Tätigkeiten übernehmen. Das ist zum einen positiv, zum anderen heißt das aber auch weniger Arbeit. Möglicherweise steigt dadurch der Wettbewerb um entsprechende Positionen. Aber  Kreativität und der Leidenschaft für Menschen werden auch in 2030 gefragt sein. Vermutlich sogar noch mehr wie heute. Also keine Angst vor den Wolken der Digitalisierung.

ich bin gespannt auf dein Feedback! Wie siehst du deine Zukunft als Projektleiter, Führungskraft, HR Spezialist? Welche anderen Rollen können ebenfalls von den Landwirten lernen? Was wäre dein Mehrwert gegenüber Maschinen? Kommentiere unter diesem Artikel, in den sozialen Medien oder sende mir eine Email.

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