Sparks

„Es funkt“ – Warum unter Wasser keine Innovation entsteht

In den letzten Wochen gab es auf Twitter zwei Beiträge, die Anlass für diesen Beitrag sind.

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://twitter.com/LuiseFreese/status/974551370249396224

Ich habe mich darauf kurz mit Luise ausgetauscht und sie hat mich motiviert meine Erfahrungen zu dieser Frage aufzuschreiben. Wenige Tage später wurden von Maike Kueper noch folgende Fragen geteilt:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://twitter.com/lis_sylvia/status/977247196415496193

In der Schatzkiste 40 ging es bereits um das Thema Ambidextrie, den Konflikt zwischen der Optimierung der Wertschöpfung (Execution) und dem Experimentieren und Finden neuer Lösungen (Innovation). Ich teile Bodo Antonic’s Beobachtung, dass in vielen Unternehmen das Hamsterrad der Optimierung die komplette Zeit in Anspruch nimmt. Um trotzdem neue Lösungen zu finden, versuchen Unternehmen den Konflikt mit extra Innovationsabteilungen, internen Startups oder vielleicht auch durch Förderung von externen Startups zu lösen. Ich sehe hier die Gefahr von Elfenbeintürmen, in denen spannende Technologien und verrückte Ideen generiert werden. Wenn diese Einheiten nämlich kein Kundenproblem lösen oder der Transfer zur normalen Wertschöpfung nicht gelingt, dann ist das nur eine große Geldverbrennungsmaschine.

Auch wenn durch diese Art der Konflikt erfolgreich gelöst werden kann, sehe ich ungenutztes Potential. Zum einen werden auf diese Weise in den meisten Fällen nur neue Produkte und Dienstleistungen generiert, also das Problem des Endkunden gelöst. Es gibt aber sicher auch viele interne Kundenprobleme, für die neue Lösungen gefunden werden wollen. Zum anderen wissen die Mitarbeiter, die an der Wertschöpfung beteiligt sind, am besten über die Kundenprobleme Bescheid. 

Von Alexander Fleming lernen – Innovation Days

Drown
Drown | Source: LibelSanRo on Pixabay, CC0

Anfang 2017 stand in unseren Unternehmenszielen Innovation und ich vor der Fragestellung, wie wir mehr Experimentieren und neue Lösungen finden können. Jeder steckte allerdings tief in seinem Tagesgeschäft, dem Hamsterrad von dem Bodo Antonic spricht. Die Eine ist „heads down“, der Andere „unter Wasser“. Unter Wasser lässt sich aber nur schwer das Feuer für Experimentieren und Finden neuer Lösungen entfachen. Wie bringt man die Menschen nun dazu, mal aus dem Wasser zu kommen? Wo sind meine Mitstreiter im Unternehmen? Ich hatte keine Ahnung und mir wurde klar, dass ich wohl mein eigenes Experiment starten muss. Ein „Lagerfeuer“-Event musste her um den Funken zum Experimentieren überspringen zu lassen, ein Tag zum Thema Innovation.

Beim Format wurde ich schnell fündig. Von den intrinsify.me Wevents kannte ich das Format des Open Space, das perfekt für mein Vorhaben geeignet war. Es skaliert für kleine bis sehr große Gruppen. Schließlich wusste ich nicht, wie viele Leute kommen werden. Außerdem ensteht die Agenda zu Beginn des Events. Menschen im Hamsterrad haben üblicherweise wenig Zeit Abstracts einzureichen und ich wollte mein Experiment ebenfalls lean halten und auf das Kuratieren von Beiträgen oder gar einen Programmausschuss verzichten. 

Es brauchte also einen großen Raum für ein Plenum und eine ausreichende Anzahl von breakout Räumen. Das müssen noch nicht mal physikalische Räume sein, sondern können auch Ecken des Raums oder Kaffeeecken sein. Die Räume kriegen dann passend zum Motto des Tages entsprechende Namen.

Fehlte nur noch eine Einladung. Beim ersten Mal habe ich meinen Bereich eingeladen. Mittlerweile hatten wir fünf dieser Events und Schritt für Schritt wurden zusätzliche Teilnehmer eingeladen. Heute geht die Einladung an den ganzen Standort und Außenbüros. Das macht den Teilnehmerkreis heterogener, was dem Event gut tut. Mehr als 50 Teilnehmer haben wir noch nicht geschafft. Die meisten führen übrigens das „Hamsterrad“ als Grund für die Nichtteilnahme an.

Alexander Fleming
Source: Calibuon at English Wikibooks, Public Domain

Um die Spannung zu erhöhen und Impulse zu setzen, geben wir jedem Innovation Day ein Motto. In der Einladung steht erstmal nur eine Jahreszahl, beim ersten Mal war es 1928. Was es damit auf sich hat, erfahren die Teilnehmer erst wenn sie zum Event kommen. 1928 ist das Jahr der Erfindung des Penicilins, was mehr oder weniger zufällig von Alexander Fleming gefunden wurde. Er experimentierte mit Bakterien in Petrischalen, die er beiseite stellte. Eine davon verschimmelte und das Penicilin war entdeckt. Genau das wollte ich auch mit dem Innovation Day erzielen: Petrischalen aufstellen. In manchen wächst etwas, manche bleiben leer und aus einer wird vielleicht die große Disruption. Nach dem kurzen Impuls zum Motto des Tages geht es dann los mit den Session Pitches. Die Teilnehmer pitchen ihre Ideen oder Problem Statements und der Open Space ist eröffnet.

Was kam bisher raus? Spannende Projekte und Innovationen, die echte Kundenprobleme lösen, z.B.

  • Ein Schrank mit einem “Touchscreen” auf Holz, eine klasse Demo für Messen und die Chance ein völlig neues Marktsegment zu erobern. Möglich wurde dies durch den Innovation Day, der Elektronikbastler, Hobbyschreiner und Softwarekönner zusammengebracht hat.
  • In ein Produkt des Kunden wurde neue Technologie eingebaut. Statt bunten Powerpointfolien konnte dem Kunden der Mehrwert live demonstriert werden. Möglich gemacht hat dies der Innovation Day. Innerhalb einer Stunde war der Kontakt ins Qualitätslabor hergestellt, per Röntgen klargemacht wie man das Gerät zerstörungsfrei öffnen kann und ein Konzept entwickelt.

Das eigentliche Highlight für mich sind aber nicht die Innovationen, sondern dass es „funkt“. Und zwar zwischen Teilnehmern und Themen. Über diese Kopplung entsteht Komplizenschaft. Die Teilnehmer organisieren sich selbst. Ganz im Gegenteil zum normalen Alltag, bei dem Projekten “Ressourcen” zugeordnet werden.

Ich würde mir noch mehr nicht-technische Sessions wünschen. Ich bin mir sicher es gibt auch bei den Themen Finanzen, HR und Führung Problemstellungen, die innovativer Lösungen bedürfen und von den verschiedenen Perspektiven der Teilnehmer profitieren könnten.

Spannend finde ich übrigens wie die Prinzipien des Open Space langsam in das normale Alltagsgeschäft diffundieren. Ab und zu hört man auch außerhalb dieser Events Sätze wie “Die da sind sind die Richtigen” oder “Ich nutze das Gesetz der zwei Füsse”.

Funken aus der Aussenwelt – Innovation Sparks

Um den Funken nicht nur zwischen Mitarbeitern und Themen, die uns schon bewegen, überspringen zu lassen, haben wir uns noch ein weiteres Format ausgedacht. Innovation Sparks ist unsere  Veranstaltungsreihe mit externen Gästen. Das Konzept haben wir frech von 12min.me kopiert. 12 Minuten Kurzvortrag, 12 Minuten Q&A und 12 Minuten Netzwerken sorgen dafür, dass es kurzweilig bleibt und mit 2-3 Speakers gut in die Mittagspause passt. Die Themen wirken dabei auf den ersten Blick oft unrelevant.

Beim ersten Event hatten wir den Gründer von babo blue zu Besuch. Das Startup hat ein blaues Bier erfunden und stand damit in der Höhle der Löwen. Was kann ein Technologiekonzern davon lernen? Die Gründer haben es geschafft, sich in einem stark umkämpften Markt zu differenzieren. Und bei der anschließenden Diskussion um Patente, kamen plötzlich unsere internen Könner zum Thema Patente zum Vorschein. Jetzt weiß jeder der 50 Teilnehmer, wo er bei diesem Thema hingeht.

Etwas nachdenklicher wurde es beim Baseballcoach, der über das Thema Scheitern referierte. Das ist beim Baseball fester Bestandteil. Ein guter Batter (der mit dem Schläger) trifft nur 30% aller Versuche. Sicherlich bewirkt ein derartiges Format noch lange keine Veränderung im Unternehmen. Aber auch zu diesem Thema fanden sich Komplizen, die gemeinsam mehr lernen wollen. 

Damit der Funke auch auf andere überspringt, die nicht beim Event dabei sind, zeichnen wir Vorträge und Q&A auf. Auch hier gilt wieder “es funkt”.  Damit sind nicht etwa Funkmikrofone gemeint. Nein, es funkt bei den Videoamateuren in unserem Unternehmen. Die haben die Gelegenheit mit ihrem Equipment zu experimentieren und an ihren Videoschnittskills zu feilen.

Noch mehr zündeln – Der Innovation Club

Mittlerweile haben wir einen Innovation Club gegründet. Das ist kein Verein im klassischen Sinne, sondern ein Netzwerk aus Menschen im Unternehmen bei denen es schon „gefunkt“ hat. Per Social Intranet werden Projekte, Veranstaltungen und Artikel geteilt und über die Veranstaltungen hinaus der Netzwerkgedanke gelebt.

Und auch von externen Organisationen ist der Funke bereits übergesprungen. Im Fablab haben wir die Möglichkeit gefunden, schnell Prototypen zu bauen und gemeinsam mit kreativen Menschen außerhalb des Unternehmen zu experimentieren und neue Lösungen zu finden.

Hat es bei dir auch schon gefunkt?

Der Innovation Club steckt noch in den Kinderschuhen und wir haben noch einen weiten Weg zu gehen, bis der Funke auf alle Menschen im Unternehmen überspringt. In meiner Petrischale, die ich Anfang 2017 aufstellte ist in den vergangenen Monaten ein zartes Pflänzchen gewachsen. Vieles habe ich gelernt. Das Wichtigste: Es braucht einen Nährboden der dafür sorgt, dass Menschen untereinander und mit Themen zusammenkommen. Wenn es dann mal „funkt“, organisiert sich der Rest von selbst. Dazu passt perfekt der folgende Tweet:

Aktivieren Sie JavaScript um das Video zu sehen.
Video-Link: https://twitter.com/AlexOsterwalder/status/982766669494763520

Also arbeitet in Euren Unternehmen am Nährboden. Die Ideen und Menschen habt ihr schon. Sorgt dafür, dass der Funke überspringt.

Wenn bei dir der Funke jetzt übergesprungen ist, würde ich mich über Austausch freuen. Hast du Fragen oder auch Inputs? Gibt es bei dir auch einen Innovation Club oder hast du Lust einen zu gründen? Oder hast du etwas Spannendes zu unseren Innovation Sparks beizutragen? Melde dich einfach per email an tobias@companypirate.de oder kontaktiere mich über einen meiner sozialen Kanäle.

2 Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.