Schatzkiste 54 – Innovation, Konzern, Experimente

Nugget 1 hat diese Woche richtig viel Resonanz bei mir erzeugt. Kein Wunder, denn im Post von Maike Küper geht es um das Thema Innovation. Erstmal stimme ich voll und ganz zu, dass Innovation nicht immer nur das next big thing ist. Neben großen disruptiven neuen Produkten, Services und Businessmodellen gibt es Innovation auch im Kleinen. Solange es neuartig ist und ein Kundenproblem löst ist es für mich Innovation. Das kann auch die kleine Änderung in der Bewerberauswahl sein. Innovation ist also keineswegs nur den Forschungsabteilungen, Think-Tanks und internen Startups vorbehalten. Zur Höchstform läuft Maike aber auf, als sie den Finger in die Wunde vieler Unternehmen legt. Sich Innovationen in die Prioritäten schreiben, aber in den meisten Bereichen keinen Freiraum für Experimente gewähren. Klingt das vertraut? Bei der Aussage

Wer von starren Prozessen und Hierarchien daran gehindert wird, lässt es tendenziell nach 3 erfolglosen Versuchen und fügt sich.

gab es von mir fast Standing Ovations. Aber bevor die Kollegen noch den Arzt rufen, habe ich das lieber gelassen 😉
Ich schließe mich Maike daher an dieser Stelle an:
Liebe Unternehmen, wenn ihr wirklich Innovation wollt, dann nutzt die Zeit und das Geld erstmal nicht für bunte Kampagnen und die coole Ausstattung der Startupgaragen. Macht lieber eine Bestandsaufnahme, wie es um die Freiräume für Experimente (siehe auch Nugget #3) bestellt ist und ergreift entsprechende Aktionen!
Innovation, aber bitte nur draußen! (3 min, Text, deutsch)

In Nugget 2 interviewt Lena Stiewe im intrinsify.me Podcast Malte Finsterwalder von Red6. Mark Poppenborg ordnet ein und addiert wieder wohldosiert Wissenswertes über die zugrundeliegenden Theorien. Red6 ist ein Spin-Off der Hamburger Versicherung Hanse-Merkur. Malte beschreibt, warum der Spin-Off gegründet wurde und welche Vorteile es hat, eine wirklich eigenständige Einheit auf die Beine zu stellen. Es ist ein interessantes Spannungsfeld zwischen einem „Schutzraum“, in dem ein hohes Maß an Flexibilität und Eigenverantwortung herrscht, und der starken Abhängigkeit sowie dem Einfluss vom „Mutterkonzern“. Interessant wird es bei der Diskussion warum anfangs keine Mitarbeiter der Hanse-Merkur für Red6 arbeiten durften. Kultur klebt eigentlich nicht an Mitarbeitern, aber trotzdem wollte man explizit frische Perspektiven.
Mir gefällt übrigens dieses Format des Podcasts. Manchmal hat man zwar eine Stunde interessante „Plauderei“. Gleichzeitig läuft man in die „best practice“ Falle. Andererseits erinnert sich wohl jeder an die Schule oder Universität, wo eine Stunde über Theorien doziert wird und man kratzt sich am Kopf, wie man das Gelernte in der Praxis anwendet. Hier hat man das Beste aus zwei Welten und ich fände es spannend, wenn das mal in Schulen ausprobiert würde. Der Lehrer für die Theorie, ein Schüler als Interviewer und jemand der das Thema anwendet und die Praxis beschreibt. Oder gibt es das schon?
[GdNW 7] Die Red6: Höchstleistung trotz Konzernumfeld (62 min, Audio, deutsch)

In Nugget 3 erkenne ich einen thematischen roten Faden, der sich durch meine letzten Schatzkisten zieht: Planen versus Experimentieren. Die Corporate Rebels sind Aussteiger aus der Konzernwelt und haben eine persönliche Bucketlist an erfolgreichen und „andersartigen“ Unternehmen erstellt. In den letzten Jahren haben sie diese der Reihe nach besucht und das Gesehene in Blogartikeln verarbeitet. Dass man die Zukunft nicht voraussagen kann, stimmt wohl jeder zu. Trotzdem halten sich in vielen Unternehmen Planungsorgien über mehrere hierarchische Ebenen. Doch was sollte man stattdessen in einer komplexen Umgebung tun? In allen besuchten Unternehmen wird viel ausprobiert und der Status quo ständig in Frage gestellt. Das Experimentieren wird sowohl gefordert als auch gefördert.
Einen Impuls aus dem Artikel möchte ich besonders herausstellen. „CREATE A SAFE ENVIRONMENT“ heißt es da. Ich wette die meisten Unternehmen würden von sich behaupten, dass sie das haben. „Bei uns darf man jederzeit seine Meinung sagen“ oder “ Wir haben eine open-door policy“ hört man vielerorts. Aber was passiert, wenn mal was schief geht? Lieber keinen großen Wind drum machen, sonst muss man sich wieder länglich rechtfertigen warum die Scorecard rot ist. Am Ende ist auch noch der leistungsbezogene Bonus weg und das Team steht schlechter da als die Nachbarabteilung. Am Ende wird dann eine weitere Regel zur bereits ellenlangen Prozessbeschreibung addiert. Lädt das zum Experimentieren ein? Hilft das flexibler auf die komplexe Umwelt zu reagieren? Denkt mal drüber nach!
WANT TO BECOME AGILE? STOP PLANNING AND START EXPERIMENTING (5 min, Text, englisch)

Das war es wieder für diese Woche. Vielleicht habt ihr Euch gewundert hat, dass es in letzter Zeit weniger Montagsposts von mir gab? Die Zeit geht gerade in ein Buchprojekt. Das Projekt läuft wie agile Softwareentwicklung in Iterationen und wir wollen kontinuierlich Kundenfeedback einarbeiten. Soll wie Improtheater werden, nur in Buchform. Unsere Iteration 0 haben wir gestern abgeschlossen und wir sind schon in Iteration 1 „Hangover in Heathrow“. Klingt spannend? Hier erfahrt ihr mehr: https://leanpub.com/aoc/

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