Schatzkiste 62 – Leistung, Diffusionstheorie, Veränderung

Liebe Schatzkistenleser,

heute werden alle Sinne angesprochen. Das heißt für Visuelle, Leser und Hörer ist etwas dabei.

Nugget #1 kommt diese Woche wieder von meinem Bloggerkollegen Gregor Ilg. Am letzten Wochenende gab es auf Twitter einen Thread zum Messen von Leistungsbeiträgen:

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Video-Link: https://twitter.com/tobleis/status/1040868353995415552

Den Ball nahm Gregor für einen Impro-Blog auf und übertrug die jährlichen Beurteilungsgespräche auf die Welt des Sports. Kein Geringerer als Tom Brady, der Quarterback der New England Patriots, musste daran glauben und bekommt in der Jahresendbewertung seine Quittung für das Nicht-Erreichen seiner persönlichen Ziele. In vielen Unternehmen würde er dann im Folgejahr mit einem Plan zur Leistungsverbesserung beglückt. Der Teamerfolg, der im Falle Tom Bradys der Gewinn der Meisterschaft ist, gerät da erstmal zur Nebensache. Ein sehr amüsanter Beitrag von Gregor, der zum Nachdenken anregt. Aber warum messen wir eigentlich individuelle Leistung? Ich habe immer noch keine zufriedenstellende Antwort darauf. Haben wir Angst, dass sich Menschen zurücklehnen und hinter der Leistung anderer verstecken? Oder meinen wir durch das Messen und Verbessern von Einzelleistungen können wir die Gesamtleistung verbessern? Was meint ihr dazu?
Performance Review für die Tonne (6 min, Text, deutsch)

Nugget #2 ist eine wunderschöne Sketchnote von Tanja Föhr. Es geht um Veränderung und dem oft beschworenen Mantra alle mitzunehmen. Sie zeichnete die Kurve aus der Diffusionstheorie, die vermutlich viele schon mal gesehen haben. Ich kann ihr nur uneingeschränkt zustimmen. Wenn es um das Mitnehmen geht, nutze ich oft eine Reise als Metapher. Ich stelle mir vor die Leute stehen an einer Bushaltestelle. Wenn das Reiseziel attraktiv ist, steigen die Leute doch von selbst ein. Außerdem muss ja auch nicht jeder gleichzeitig mitfahren. Vielleicht ist es am Ziel gar nicht so schön wie gedacht. Warum sollte denn überhaupt jeder im Bus mitkommen? Die Innovatoren wollen schnell da sein und setzen sich in den Flieger. Andere kommen vielleicht mit dem Fahrrad an.

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Video-Link: https://twitter.com/tanjafoehr/status/1040125920961589248

 

Wenn es mit der Veränderung trotzdem nicht klappt, dann hilft Nugget #3. Im Podcast von Vollmer & Scheffczyk stellt Benno Löffler Anti-Patterns der Veränderung vor. Beim Hören des Podcasts ist es einem klar wie Kloßbrühe, dass es so nicht funktionieren kann. Trotzdem bin ich wohl schon in alle dieser Anti-Patterns reingelaufen. Das erste Anti-Pattern ist noch recht einfach. Man löst gar kein Problem. Oder zumindest keines was im Moment besonders wichtig wäre. Das zweite Anti-Pattern dreht sich um Dynamikprobleme und die Kopie von Lösungen. Das passiert gerade an allen Ecken und Enden. Zum Beispiel wird haufenweise das Spotify-Modell kopiert. Am Häufigsten sehen wir aber vermutlich das dritte Anti-Pattern, die Trennung von Denken und Handeln. Im Workshop wird eine Lösung ausgedacht. Die gibt man dann zur Durchführung in den Rest der Organisation. Nur leider bestehen bei vielen Problemen die Lösungen nicht dem Realitätscheck. Der Kreis zu Nugget #2 schließt sich dann beim vierten Anti-Pattern. Höchstleistungsunternehmen vergeben die Problemlösung nämlich an die Talente zur jeweiligen Fragestellung. Die werden freiwillig die Umsetzung übernehmen.
Mir gefällt die lockere Art, wie Benno modernes Management beschreibt. Ich kann euch die restlichen Podcastepisoden nur wärmstens empfehlen.
FOLGE 05: ANTI-PATTERNS DER VERÄNDERUNG (13 min, Audio, deutsch)

Das war es schon wieder für diese Woche. Falls es Euch diese Woche zu wenig Text war, dann könntet ihr Euch noch das neueste Release meines Buchs zum Thema Zusammenarbeit herunterladen. Mittlerweile haben wir auch eine deutsche Variante im Angebot: Die Kunst des Zusammenwirkens.

Genießt Euer Wochenende,
Euer Tobias

Ein Kommentar

  1. Leistungsmessung.
    Das ist an sich bereits an mehreren Stellen falsch.

    „Leistung ist Arbeit in der Zeit“ mal etwas verkürzt und merkfähig ausgedrückt.
    Wenn das Ergebnis feststeht – ‚…Hauptsache es ist schwarz.‘ – dann ist der Aufwand die Stellschraube um Profit zu generieren.
    Immer mehr davon in immer weniger für noch weniger.
    Und wenn man das ganze dann noch wie eine komplizierte Maschine betrachtet, dann muss man „nur“ ein Teil verbessern, um die Gesamtleistung zu erhöhen.

    Chicago BULLSHIT, Mr. Bellichick!
    Was nun?
    Vollkontakt oder no-contact bei Ballbesitz?

    Es ist das Zusammenspiel des Systems mit seiner Umgebung, das unter bestimmten Einwirkungen, beobachtbare Auswirkungen unter den BEDINGUNGEN der Umstände erzielt.
    Ich kann die Umstände so lange verändern, bis das gewünschte Ergebnis erzielt wird.
    Ich kann das Ergebnis wahrscheinlicher eintreten lassen, nicht jedoch zuverlässig vorherbestimmen.

    Im Falle von Mr. Bellichick ist das Ergbnis: Meisterschaft iSv. „Championship“, nicht „Mastery“ 😉

    Und dann?
    Double Digit Growth?
    110% Meisterschaft im Folgejahr?
    Danach 121% und darüber hinaus?

    Was besonders schwer wiegt:
    Durch Herauslösen eines Systems, das Komponente eines anderen Systems ist, verändere ich die System-Umgebung und interagiere mit etwas anderem.
    Einzelgespräche mit Personen außerhalb ihrer Teamumgebung verändern ein System außerhalb seiner Systemumwelt.
    Kann gut gehen. Tut’s meist nicht.

    Die Chancen zu Scheitern stehen bei 99% und höher. Die Anzahl der Beteiligten reduziert die Erfolgschancen exponential.
    Ich bin immer wieder erstaunt, wie leichtfertig viele mit diesem Umstand umgehen.
    Oder tun sie es „nur“ falsch?
    Wenn ich meine Betrachtung auf wenige Komponenten beschränkte, erhöhe ich die Chance, „die eine Sache“ zu finden, die „es“ ist.
    Vielleicht steckt darin bereits die Ahnung einer unbewussten Erkenntnis?
    Wenn ich doch nur den einen Schlüssel finde …?

    Leider verhält es sich anders.
    Ich kann nicht einfach einen Stoßdämpfer tauschen und damit schnellere Runden fahren.
    Ich fahre schnellere Runden, weil ich durch das Zusammenwirken des Systems Rennfahrzeug mit dem System Fahrer unter den Bedingungen der Systemumwelt einen Wirkungsvorteil gegenüber den mit- und wettstreitenden Wegbegleitern erreiche.

    Was passiert, wenn ich den Fahrer tausche und alles andere gleich lasse?
    Er wird sich mit den Slicks in der ersten Kurve hinaus schießen, wenn die Fahrbahn nach dem Platzregen nicht sofort abtrocknet.
    Es gibt kein Rennen unter wissenschaftlichen Laborbedingungen.
    Ceteris paribus ist mglw. wünschenswert, aber doch etwas vermessen unter Realbedingungen zu erwarten.
    Warum tun das dann „alle“? Vielleicht weil klinisch saubere Lern- und Produktionsprozesse den Irrtum von Beherrschbarkeit erhöhen?

    „Tage des Donners“ können vielleicht Aufschluß geben.
    Nicole Kidmans Figur darf dort sagen: „Kontrolle ist eine Illusion. Jedes Kind weiß das!“

    „Die Schule ist aus, Jungs!“ (Don Johnson als Marlboro in …)

    Der Moment zählt!
    Und wir müssen alles dafür tun, mit diesem Moment umgehen zu können.
    Bspw. auch eine gemeinsame Sprache mit der Boxen-Crew finden, damit sie als Team und nicht nur als Besatzung operiert.
    Der Erfolg des Herrn Schuhmacher sen. beruhte darauf.
    Das hätte man auch schon vor 20 Jahren aus der Berichterstattung entnehmen können … wenn man damals schon zugehört hätte.
    https://www.motorsport-total.com/formel-1/news/schumacher-viel-zu-intelligent-jerez-1997-nicht-zu-verstehen-18091403

    Und so liegt der Erfolg des Moments immer am Ende des Weges, der irgendwo begann und irgendwo hin weiter führt.
    https://commodus.org/so-kanns-gehen

    Und zum ‚Mitnehmen‘:
    Zeig‘, was in Dir steckt!
    Wenn’s taugt, kannst Du mitmachen. Wenn nicht bleibst Du draußen.

    Auto-Selektor für Typen in Momenten und um fehlgeleitete Extremisten zu intergrieren oder die guten Äpfel vom Verfaulen zu bewahren.

    Zu #3:
    Selbe Themen wie in #2 und #1. Nur in andere Worte gekleidet.
    Es ist immer das selbe, was wir unter der Last des immer Gleichen nicht erkennen.
    Das Prinzip der Resonanz: Jede Einwirkung hat Auswirkungen.
    Die Frage könnte lauten: welche?

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