Schatzkiste 101 – Entscheidungen & Zahlen

Wie verbessert und dezentralisiert man Entscheidungen? Was können Unternehmen von olympischen Spielen lernen? Was ist der Osborne Effekt? Eine Schatzkiste voller Zahlen, Daten und Fakten und mit fast 30 Minuten Lesestoff. Das zeitliche Invest verspricht aber viele spannende Erkenntnisse.

In den letzten Schatzkisten ging es bereits öfters um Entscheidungen. Die Corporate Rebels liefern in Nugget #1 praktische Tipps, wie man das Thema angehen kann. Wie im ersten Tipp im Artikel beschrieben, sollte man zuerst bestehende Prozesse analysieren. Sind Entscheidungen beschrieben? Wenn ja, wer trifft Entscheidungen? Wie im Artikel beschrieben, sind es oft Personen, die nicht direkt Teil der Wertschöpfungskette sind. Entscheidungen werden von Managern, Bereichsleitern oder gar Vorständen getroffen. Das bedeutet man muss eine Entscheidungsvorlage erstellen. Das kostet Geld und Zeit. Überlegt Euch wie viele Personen an der Vorbereitung der Entscheidung beteiligt sind. Meist kommen so schon vier- bis fünfstellige Personalkosten zusammen. Zusätzlich kommen noch Kosten für das Sammeln von Daten hinzu. Noch teurer kann einem die Dauer bis zur Entscheidung zu stehen kommen (cost of delay). Das können richtig hohe Beträge werden. Beispielsweise können hohe Qualitätskosten entstehen, wenn die Entscheidung ein Produkt zu verbessern zu spät gefällt wird. Wenn man zu lange wartet mit der Entscheidung einen bestimmten Markt zu bedienen, kann dies dem Unternehmen ebenfalls teuer zu stehen kommen. (5 min, Text, englisch)

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Video-Link: https://corporate-rebels.com/distribute-decision-making/

Meist geht es bei Entscheidungsvorlagen um Zahlen, Daten und Fakten. Warum es sich lohnt mit unterschiedlichen Perspektiven auf das Zahlenwerk zu schauen, erklärt Michael Schenkel anschaulich in Nugget #2. Ich möchte das Gedankenspiel mit dem Medaillenspiegel mal auf ein konkretes Beispiel aus der Unternehmenswelt übertragen. Nehmen wir an, du hast eine Liste von 100 potentiellen neuen Kunden. Dein Vertriebsteam kann maximal 10 weitere Kunden betreuen. Also musst du dich entscheiden. Auch hier gibt es unterschiedliche Rankings, die man zur Entscheidungsfindung heranziehen kann:

  • Man sortiert die Liste der Kunden basierend auf ihrem aktuellem Umsatz. Je größer das Unternehmen, desto größer der mögliche Umsatz für dein Unternehmen.
  • Vielleicht ist für dich aber nur ein bestimmte Sparte bei den Kunden interessant. Also erstellst du ein Ranking mit den Umsätzen der entsprechenden Sparten.
  • Du hast die Vermutung, dass einige der Top 10 defizitär sind. Also erstellst du ein Ranking, das auch den Gewinn berücksichtigt.
  • Analysten sagen voraus, dass der Markt in Asien um 10% wächst, während er in Europa und Amerika stagniert. Also erstellst du ein weiteres Ranking, was dies berücksichtigt.

Welches der Rankings nimmst du jetzt als Entscheidungsgrundlage? Vielleicht wäre es ja auch sinnvoll den Kunden #98 zu betreuen, denn er ist der erste in einem völlig neuen Marktsegment mit riesigem Wachstumspotential. Vielleicht spendierst deine Zeit auch gar nicht in das Generieren und Analysieren von Zahlen, Daten und Fakten. Wie wäre es stattdessen mit Ideation und Prototyping, wie man mit der bestehenden Mannschaft 100 Kunden gleichzeitig adressieren kann? (7 min, Text, deutsch)

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Video-Link: https://t2informatik.de/blog/prozesse-methoden/alternative-medaillenspiegel/

Jede Menge Zahlen, Daten und Fakten gibt es auch in Nugget #3, einem Artikel von Morell Westermann über die Zukunft der Automobilindustrie. Was habe ich daraus gelernt?

  • Der Osborne-Effekt könnte mit für die rücklaufenden Absatzzahlen in der Automobilbranche verantwortlich sein. Weil Verbrennungsmotoren als „schlechte“ Technologie gesehen werden und Elektroautos so langsam an Relevanz gewinnen, üben sich Autokäufer gerade in Zurückhaltung. Berücksichtigt man noch den Aufschwung alternativer Mobilitätskonzepte wie beispielsweise Carsharing, ÖPNV und eBikes in den großen Städten, dürfte dieser Effekt sogar noch stärker sein, als im Artikel angenommen.
  • Ich bin ziemlich überrascht über die Preisentwicklung der Antriebspreise. Aber wenn man sich mal anschaut, wie viele Entwickler die letzten Jahre noch an der Optimierung des Antriebsstrangs gearbeitet haben, erscheinen mir die Zahlen durchaus plausibel. Werden wir hier ein Opfer von Pareto und spendieren übermäßig viel Aufwand in die Optimierung der letzten 20%?
  • Auch falls einige Annahmen im Artikel günstig für das Elektroauto ausfallen, ist es für mich keine Frage, ob der große Einbruch kommen wird. Die Frage ist nur wann und wie tief er sein wird.

Ich sehe übrigens viele Parallelen zur Musikbranche. Der Absatz von CDs ist in Deutschland von über 100 Millionen Stück in 2009 auf 50 Millionen in 2018 geschrumpft. In anderen Ländern ging das noch viel schneller. Sehen wir ein ähnliches Muster beim Absatz von Autos? Dann würde das Szenario sogar noch anders aussehen. Stellt sich die Frage wie das „Streaming“ bei Mobilität aussieht und wer das Rennen bei den Anbietern macht? Vinylschallplattenverkäufe ziehen in den letzten Jahren wieder an. Ich könnte mir vorstellen, dass wir ein ähnliches Phänomen bei Autos sehen werden. Gute Nachrichten für Firmen wie Porsche und andere Premiumhersteller? (16 min, Text, deutsch)

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