Edison

Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert

Kürzlich stolperte ich über die Blogparade des Zeppelinmuseums Friedrichshafen zum Thema Innovation. Mir schwirren schon länger ein paar Gedanken zum Thema im Kopf herum und das war der perfekte Trigger diese zu Papier zu bringen. Ich möchte daher in diesem Artikel drei Innovationen vorstellen, die einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Gesellschaft hatten und aus unserem heutigen Leben nicht mehr wegzudenken sind. Noch spannender sind aber die Geschichten der Innovatoren und Entstehung dieser Innovationen, aus denen wir einiges lernen können um eine innovationsfreundliche Gesellschaft zu gestalten.

Zum Glück war Alexander Fleming kein Perfektionist

Die erste Innovation ist das Antibiotikum, in dessen „Genuss“ wahrscheinlich jeder von uns schon mal kam. Das laut Wikipedia weltweit am meisten verschriebene Medikament bekämpft bakterielle Infektionen und hat schon viele Leben gerettet. Das vom schottischen Arzt Alexander Fleming entdeckte Penicilin war der Grundstein für den Erfolg der Antibiotika und wird heute vielfach noch synonym für alle Arten von Antibiotika verwendet.

Alexander Fleming
Alexander Fleming in seinem Labor –
Source: Calibuon at English Wikibooks, Public Domain

Viele kennen sicherlich die Geschichte hinter der Entdeckung des Penicilins. Fleming experimentierte in seinem Labor mit Staphylokokken. Vor seinem Sommerurlaub vergaß er einige Petrischalen, in denen er das Bakterium angesetzt hatte. Nach seiner Rückkehr stellte er fest, dass in einigen der Schalen ein Schimmelpilz wuchs, der die Staphylokokken an ihrem Wachstum hinderte. Das Penicilin war zufällig gefunden.

Zum Glück war Alexander Fleming kein Perfektionist, der vor seinem Urlaub alles aufräumt. Sonst hätte es diesen Zufall wohl nie gegeben. Und auch in unseren Unternehmen ist es oft so, dass wir das Imperfekte und vermeintlich Unnütze wegräumen wollen. Projekte, die nicht von Anfang an einen klaren ROI (=Return of Investment) zeigen, haben keine Chance. Wir lassen also oft gar nicht zu, dass etwas wachsen kann. Genauso wenig setzen wir mehrere Petrischalen an. Wir wissen ganz genau, dass nicht in allen Petrischalen was Großes entsteht. Trotzdem sorgt die Optimierung finanzieller Kennzahlen und Effizienzmaximierung dafür, dass wir „Petrischalen“ einsparen und erstmal Zeit und Geld in Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken und eines Fehlschlages investieren.

Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.

Alles andere als perfekt verlief auch die Karriere des zweiten Innovators. Thomas Alva Edison hatte bereits in seiner Kindheit Hörprobleme und war sein Leben lang schwerhörig. Umso bemerkenswerter ist deshalb seine Erfindung des Phonographen. Er hatte auch nur einige Monate geregelten Schulunterricht bevor ihn seine Mutter unterrichtete. Vielleicht war ja genau das der Grund für seinen späteren Erfolg.

Edison
Thomas Alva Edison mit Phonograph – Source: Von Levin C. Handy (per http://hdl.loc.gov/loc.pnp/cwpbh.04326) – Brady-Handy Photograph Collection (Library of Congress) – http://hdl.loc.gov/loc.pnp/cwpbh.04044, Gemeinfrei, Link

Am Beispiel des elektrischen Stifts, den er im Rahmen seiner Telegrafenentwicklung erfand, kann man gut illustrieren was Innovation ausmacht. Seine selbst produzierten Geräte galten nämlich als zu technisch und wenig erfolgreich. Bei einer Innovation kommt es also nicht auf die technisch beste Lösung oder den besten Geistesblitz an. Eine Innovation löst ein Kundenproblem und erzielt in Folge dessen wirtschaftlichen Erfolg. Deswegen finde ich wichtig, dass das Thema Unternehmertum bzw. Entrepreneurship mehr Relevanz gewinnt. In der Schule werden entsprechende Kompetenzen so gut wie nicht ausgebildet. Und auch im späteren Berufsleben finden viele Angestellte eher vordefinierte Prozesse und Routinen anstelle eines Nährbodens für Entrepreneurship.

Edisons wichtigste Innovation war aber die Glühlampe einhergehend mit der Elektrifizierung unserer  Städte. Dies hat unser Leben nachhaltig verändert, wie man schnell merkt wenn der Strom für eine Weile ausfällt. Edison scheiterte zunächst mit seinen Versuchen einer elektrischen Glühlampe. Aus dieser Zeit stammt sein Zitat: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.“ Ob er das jemals gesagt hat ist nicht gesichert. Allerdings finde ich den Ausspruch eine der wichtigsten Aspekte im Innovationsprozess. Es braucht stetiges Experimentieren, Lernen und Anpassen. Leider wird heute Lernen noch vielfach mit Auswendiglernen von existierendem Wissen gleichgesetzt. Meine Kinder können da ein Lied davon singen. Und auch beim Blick in die Unternehmenswelt stelle ich fest, dass dem Experimentieren und Forschen an Neuem nur wenig Platz eingeräumt wird.

Dass Edison ganz offensichtlich aus den Fehlern seiner frühen Karriere gelernt hat, zeigt übrigens folgender Absatz bei Wikipedia:

Präsentationsveranstaltungen in Menlo Park insbesondere am 31. Dezember 1879 beeindruckten jedoch bereits die Zeitungen und die Öffentlichkeit. Dabei entstand ein öffentliches Bewusstsein für das beginnende Elektrozeitalter. Edison konnte Unterstützer gewinnen und sein Projekt der Elektrifizierung New Yorks angehen.

Das klingt für mich nach Lean Startup, einem Ansatz über den man in Schatzkiste 49 mehr erfährt.

Disruptive Innovation made in Germany

Während Thomas Edison wohl den meisten ein Begriff sein dürfte, sieht es beim nächsten Innovator vermutlich anders aus. Oder kennt Ihr Hans-Georg Musmann? Die Innovation an der er beteiligt war, kennt aber so gut wie jeder. Am besten wir lassen ihn selbst zu Wort kommen:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=o6fKBSBZjnE

Für mich ist das MP3 Format eine der spannendsten Innovationen des späten 20. Jahrhunderts. Dieses Verfahren zur Kompression von Audiodateien legte den Grundstein zur Disruption der Musikbranche, die Edison mit seinem Phonographen mitbegründet hatte. Deren Geschäftsmodell hat sich durch das Teilen und Verkaufen von Musik über das Internet maßgeblich verändert. Als Grundlage der Software iTunes hat mp3 auch den Aufschwung des Techgiganten Apple ermöglicht. In den folgenden Jahren legte die Firma aus Cupertino einen eindrucksvollen Siegeszug mit mobilen Geräten wie dem iPod, iPhone und iPad hin und wuchs so zum Medienimperium.  Auch den Streamingdienst Spotify, der auch aufgrund seiner Unternehmenskultur viel beachtet und kopiert wird, gäbe es ohne die Innovation des Teams um Hans-Georg Musmann nicht. Disruptive Innovation made in Germany geht also doch.

Anders als bei Fleming und Edison gibt es allerdings nicht den einen Erfinder und Innovator. Das mp3 Format zeigt sehr schön, dass Innovation Teamwork ist. Musmann hat mp3 nämlich nicht erfunden. Als Erfinder gilt ein Team um Karlheinz Brandenburg am Frauenhofer IIS Institut in Erlangen. In den finalen Standard flossen aber die Arbeiten vieler weiterer Entwickler von Universitäten und Unternehmen wie AT&T und Thomson ein. Das macht für mich Innovation aus. Mit unterschiedlichen Perspektiven und Fähigkeiten gemeinsam etwas erschaffen.

Was macht Innovation aus?

Fassen wir zusammen was wir aus diesen Innovationen lernen können. Was macht Innovation aus? Ich habe aus den Beispielen drei Thesen im Stile des agilen Manifests erarbeitet:

  • Maximieren von Zufällen und Überraschungen mehr als Vermeiden von Risiken.
  • Experimentieren, Lernen und Anpassen mehr als Reproduktion bestehenden Wissens und Abarbeitung von Routinen.
  • Vielfalt von Perspektiven und Fähigkeiten (neudeutsch: Diversity) mehr als brillante Einzelleistung und technische Perfektion.

Was meint ihr? Welche Thesen fallen Euch noch ein oder wie würdet ihr die Thesen formulieren? Ich bin gespannt auf Euer Feedback in den Kommentaren, über meine sozialen Kanäle oder via Email an tobias@companypirate.de.

Wer Lust hat mehr zum Thema Innovation zu lesen, dem sei mein Beitrag „Es funkt…“ oder das Buch von Innovation: Streitschrift für barrierefreies Denken von Wolf Lotter (*) empfohlen.

 


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