Elephant

I don’t have time for this…

Hallo Du,

Hier drüben bin ich! Hallooooo! Ja dich meine ich… Siehst du mich immer noch nicht? Naja wäre ja nicht das erste Mal. Die meisten sehen mich nicht. Und das wo ich doch so groß bin und mit Ihnen im Raum stehe. Manche sehen mich auch. Aber sie tun so, als würden sie mich nicht sehen. Einige sehen auch weg. Vielleicht liegt es ja an meiner Größe? Oder der runzligen grauen Haut? Aber mich zu ignorieren hilft nichts. Ich gehe so schnell nicht weg. Wie denn auch bei dem Gewicht?

Elephant
Elephant – Photo by Pete Johnson from Pexels

Vor Kurzem war ich zu Gast bei einer Gruppe von Menschen in einem Unternehmen. Die wollten nicht mehr länger akzeptieren, dass ich ignoriert werde. Die wollten den Anderen zeigen, dass ich gar nicht so gefährlich bin wie ich auf den ersten Blick aussehe. Da Ihre Kollegen bei meinem Anblick meistens schweigen oder sogar wegsehen, mussten sie sich was einfallen lassen. Inspiriert wurden sie von einer Vernissage der HOOD Group zum Thema „Agile Transformation“. Sie zeigten also nicht mich, sondern Kunstwerke. Es gab Fotos, Collagen und sogar Installationen mit Playmobilfiguren und Spielzeugautos. Da schauen die Leute schon lieber hin.

Aber wer geht in der Unternehmenswelt bitteschön in eine Ausstellung? Die sind ja immer alle so „busy“ in Ihrem Alltagsgeschäft. Deswegen sollte man zu einer Ausstellung wohl besser nicht einladen. Außer man möchte, dass keiner kommt. Es braucht also einen anderen Namen. Warum nicht das Kind beim Namen nennen? Deshalb haben sie das einstündige Event „I don’t have time for this“ genannt und die ganze Organisation eingeladen. Gekommen sind mehr als 30 Personen, die eigentlich keine Zeit für so was haben. Etwas irritiert schauten die Meisten als sie in den Raum kamen. Keine Stühle waren da, die Tische standen in den Ecken und an den Wänden hingen vier Kunstwerke, die mich und meine Artgenossen zeigten.

Entschuldigung, ich habe mich bisher gar nicht vorgestellt. Ich bin ein Elefant im Raum. Mein Name ist „Komplexität“. Von uns Elefanten gibt es richtig viele. Bei diesem Event war auch noch mein bester Freund „Entscheidungsfindung“ dabei. Die alte Rampensau „Kommunikation“ fehlt selbstverständlich auf keiner Party. Mir ist er ja etwas zu aufdringlich. Und dann war diesmal noch ein Vierter dabei. Den kannte ich bisher nicht. Der hieß „Verantwortlichkeiten“. Bei dem Namen doch kein Wunder, dass der so unscheinbar ist.

Die Veranstaltung eröffnete ein Moderator und fragte die Anwesenden, ob sie Herausforderungen haben. Fast alle meldeten sich. Sie waren sich auch alle einig, dass sie nicht alleine damit sind und andere im Raum die gleichen Herausforderungen haben. Wir Elefanten blieben ziemlich cool, denn solange sie uns nicht persönlich nannten war nichts zu befürchten. Als dann aber vier „Künstler“ jeweils fünf Minuten anhand Ihrer Werke über uns sprachen, wurde mir schon etwas unheimlich. Vor vielen Jahren rückte mir David Snowden mit seinem Cynefin-Framework bereits ziemlich auf die Pelle. Und wie es der Teufel so will, hat der „Künstler“ ein Bilderquiz basierend auf genau diesem Framework veranstaltet.

Collage
Collage

Mich mit Fussball zu vergleichen fand ich sehr gewagt. Zum Glück erkannten mich viele im Raum darin nicht. Andererseits, schneller und flexibler als die deutsche Nationalmannschaft bei der WM in Russland wäre ich allemal. Aber lassen wir das. Am Ende des kurzen Impulsvortrags konnten Sie mich alle sehen. Waren meine Tage etwa gezählt?

In den nächsten 10 Minuten gab es erstmal Erfrischungen und Kaffee. Zeit zum Durchschnaufen für mich. Auch wenn der ein oder andere Teilnehmer auf mich zeigte, so richtig was anfangen konnten sie mit mir noch nicht.

Als dann in Kleingruppen die Themen noch mal für 15 Minuten diskutiert wurden, wurde ich aber doch nervös. Wie man mich wirkungsvoll bekämpfen kann wurde gefragt? Todesangst hatte ich zwar keine, aber vielleicht ging es mir ja nun doch an den Kragen. Meine Befürchtungen bestätigten sich glücklicherweise nicht. Im Gegenteil, plötzlich waren sich alle einig, dass ich irgendwie dazu gehöre. Dass man mich nicht einfach ignorieren kann und so tun als ob ich nicht da wäre. Nur wie sie mit mir umgehen sollen, das wissen sie noch nicht. Die beiden Streber „Einfachheit“ und „Kompliziertheit“ sind ja immer die Lieblinge. Mit denen können sie ganz gut. Kein Wunder bei Ingenieuren. Wenn man mich allerdings so nimmt wie die Beiden, dann werde ich echt ungemütlich. Das haben sie jetzt auch festgestellt. Dann war die Zeit um.

Gefreut hatte mich die kurze Feedbackrunde am Ende des Events. Wir vier Elefanten werden jetzt gesehen und gehören dazu. Einige wollen uns Ihren Kollegen vorstellen, Andere ein bisschen mehr auf uns achtgeben und ein paar Wenige werden den Umgang mit uns üben. Damit ich nicht so schnell vergessen werde, gab es übrigens Autogrammkarten von mir:

Cynefin
Cynefin | CC BY-NC-ND by Janine Kirchhof

Leider sind da auch „Einfachheit“ und „Kompliziertheit“ mit drauf. Ich kann die Beiden echt nicht mehr sehen. Eigentlich bin ich sowieso der heimliche Star. Ich habe nämlich viel mehr zu bieten. Und um mich kommt man heutzutage auch kaum noch herum.

Nun habe ich aber genug erzählt. Vielleicht veranstaltest Du ja auch mal so ein Event? Ich freue mich über eine Einladung und bringe gerne den ein oder anderen Freund mit. Also bis bald?

Liebe Grüsse,
„Komplexität“ – dein Elefant im Raum

PS: Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade #BetterWork. Ich glaube für bessere Arbeit gibt es kein Patentrezept. Jede Organisation muss ihren eigenen Weg finden und gehen. Auf diese Reise müssen auch die Elefanten im Raum mitkommen. Das gilt für Wissensarbeiter genauso wie für handwerkliche  Branchen, Landwirtschaft und Industrie. Vielleicht hilft Euch das beschriebene Format ja Eure Elefanten kennenzulernen? Ich würde mich über Eure Erfahrungsberichte als Kommentar, via social Media oder per Email an tobias@companypirate.de freuen.

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