Schatzkiste 56 – Karriere, Digitalisierung, Lernen

Hallo liebe Leser der Schatzkiste,

diese Woche ist die Schatzkiste mal wieder ein klein wenig visueller, gleich in zwei Beiträgen kommt Microsoft vor und alle Beiträge sind von Frauen. Ganz am Ende der Schatzkiste gibt es heute übrigens einen kleinen Extranugget. Mehr wird aber noch nicht verraten 🙂

Nugget #1 ist eine cooles neues Interviewformat. Philipp Depiereux ist CEO der Digitalagentur etventure und interviewt in seinem Tesla Menschen, die etwas bewegen wollen. Für mich ist das Format Changerider ein Vorgeschmack auf die Zukunft. Denn da wird es ganz normal sein, dass wir in autonomen Fahrzeugen auf der Fahrt von A nach B wie im Office arbeiten, Konferenzen abhalten und eben auch Sendungen wie den Changerider aufzeichnen. Gestartet ist die Interviewreihe mit keiner geringeren als der Staatsministerin Dorothee Bär. Letzte Woche war Magdalena Rogl zu Gast. Die Head of Digital Channels bei Microsoft ist in der NewWork Filterblase allseits bekannt. Drei Aspekte aus dem Interview möchte ich hier aufgreifen. Erstens finde ich es ermutigend wie Magdalena über ihre Karriere spricht. Für mich ist das prototypisch für Karriere im 21. Jahrhundert. Bis heute ist Karriere oft noch Wissen erwerben, einen entsprechenden Abschluss machen und dann eine Karriereleiter hochklettern. In komplexen Umgebungen kommt es aber oft nicht auf Wissen an, das gibt es ja noch nicht. Hier zählen eher die „soft skills“. Wie gut kann ich Entscheidungen in Komplexität treffen? Kann ich in Teams über Abteilungs-, Länder- und Branchengrenzen hinweg gut zusammenarbeiten? Außerdem heißt für mich Karriere, dass sie sich an die Lebenssituation anpasst.
Das bringt mich zu Aspekt Nummer zwei, der im Interview thematisiert wird. Magdalena erzählt von flexibler Arbeitszeit und Arbeitsort bei Microsoft. Auch wenn man in diesem Zusammenhang ab und zu von Schwierigkeiten bei Microsoft hört, bin ich der Meinung es ist das Modell der Zukunft. Die Vorteile habe ich vor längerer Zeit in einem Artikel zusammengefasst und Wege aufgezeigt, wie man es zum Funktionieren bringt.
Beim dritten Aspekt, dem Scheitern, bin ich etwas anderer Meinung als Magdalena. Natürlich stimme ich voll zu, dass man das nicht groß abfeiern sollte. Schon gar nicht wenn man etwas wissentlich mit Vollgas gegen den Baum fährt. Ich finde aber, dass uns in Deutschland ein offenerer Umgang mit Scheitern gut tun würde. Wir sind teilweise so risikoscheu und voller Angst, dass wir viel Potential vergeben. Totschweigen hilft da meiner Meinung nach nicht weiter. Zu dem Thema könnte ich jetzt noch ewig weiterschreiben. Ich glaube das ist mal was für einen extra Blogpost. Jetzt erstmal viel Spaß mit dem Video. (22 min, Video, deutsch)

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Video-Link: https://youtu.be/M8QH6F16TvA

 

Richtig textlastig und ein klassischer long read ist Nugget #2Renata Zmrzla schreibt zum Thema Digitalisierung. Artikel zu diesem Thema gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer. Da geht es dann oft um die technischen Aspekte. Renatas Artikel ist aber erfrischend anders. Sie muntert jeden von uns auf, in die Rolle von Momo aus Michael Endes „Unendliche Geschichte“ zu schlüpfen und positive Bilder von einer Zukunft mit Digitalisierung zu entwickeln. Nach der Definition des „Weltinnenraum“ beschreibt Renata wie ihr Weltinnenraum aussieht. Da gibt es zwei Sphären. In der technischen Sphäre tummeln sich Roboter und Algorithmen und kümmern sich darum uns ein angenehmes Leben zu bescheren. Die Interaktion zwischen Menschen wird in dieser Sphäre immer weniger, denn es ist ja so gut wie alles automatisiert. Dafür gibt es die zweite Sphäre.
Die Beschreibung dieser Sphäre finde ich ganz großes Kino. Renata beschreibt nämlich ein ähnliches Bild, das sich auch in meinem Weltinnenraum abzeichnet. Die ersten Indikatoren, dass sich institutionalisierte Bildung auflöst können wir heute schon erkennen. Dafür gibt es auch schöne Beispiele im Artikel. Die grösste Resonanz löste allerdings folgender Absatz aus:

In 2048 wird Wert in Co-Growing-Stätten generiert, die Raum und Zeit bieten, um menschliches Potential bestmöglichst zur Entfaltung zu bringen. Unternehmen, die dies fördern, werden angesehen und erfolgreich sein, was sie in die Lage versetzt, wieder neue Projekte realisieren zu können.

Mein Autorenpartner Alexander Gerber nennt dies „Greatness beyond Egobarrier“. An dieser Stelle vielen Dank für das Stupsen auf diesen Artikel. Wenn ihr nach dem Lesen des Artikels noch Zeit habt, dann schaut doch mal in Euren eigenen Weltinnenraum. Vielleicht mögt ihr ja auch Eure Perspektive mit mir teilen?
Momo und die Digitalisierung oder: Die Ausdehnung des Möglichkeitsraums. (12 min, Text, deutsch)

Nugget #3 ist was für meine englischen Leser und der zweite long read. Tracy van der Schyff schreibt über Microsoft 365 und hat innerhalb zwei Jahren zweimal 365 Posts darüber geschrieben. Nachdem ich kein Microsoft 365 nutze, ist das für mich gar nicht so spannend. Ich habe auch nicht nachgezählt 😉
Der Beitrag hat mir vermutlich so gut gefallen, weil ich ähnlich wie Tracy ticke. Im Artikel finden sich exakt die gleichen Gründe, warum ich diesen Blog hier betreibe und für meine sonstigen Aktivitäten.
Nach mehr als einem Jahr wird es schon mal Zeit, etwas über das Warum des Blogs zu schreiben. Wie bei Tracy ist der Blog ein Lernwerkzeug. Durch das Schreiben kriege ich meine Gedanken sortiert, ich kann auf Themen herumkauen und die Schatzkisten vertiefen das Gelesene und sortieren es für mich ein. Das ganze könnte ich natürlich nur für mich machen. Ich bin aber fest davon überzeugt, dass Teilen reich macht. Wie Tracy sagt, unter den 7.5 Milliarden Menschen da draußen gibt es sicher welche die davon profitieren können. Das ist mein Beitrag die Welt ein klitzekleines bisschen weiterzubringen.
Auch ich habe übrigens meine digitalen Muskeln durch das Bloggen gestärkt. Ich weiß jetzt wie ein Blog inklusive des technischen Backends funktioniert, habe viel über soziale Medien und digitales Marketing dazugelernt und vor allem Freude am Schreiben gefunden. Ich war immer davon überzeugt, ich kann und mag das nicht. Das hat sich grundlegend geändert. Auch wenn noch ein weiter Weg bis zur Meisterschaft vor mir liegt.
Tracy geht übrigens auch auf das Scheitern ein. Bei ihr ist ein Selbstmordversuch gescheitert und ich finde in diesem Fall darf das Scheitern gefeiert werden. Sonst gäbe es nicht diesen wundervollen Blogpost. An dieser Stelle übrigens auch noch vielen Dank an Luise Freese, über die ich diesen Artikel gefunden habe. Wer noch eine Sketchnoterin für sein nächstes Event sucht ist bei Ihr sicherlich gut aufgehoben.
#Microsoft365: Why I wrote 365 Blogs in a year, TWICE! (11 min, Text, englisch)

Wie versprochen gibt es diese Woche noch ein kleines Goodie. Auf Twitter startete Steffi Tönjes die Aktion #officeslang. Mit den bisher gesammelten Beiträgen kann man für die nächsten Jahre schön Bullshit-Bingo spielen. Und wenn Eure Lieblingsphrasen noch nicht dabei sind, dann tragt gerne noch zur Aktion bei.

In diesem Sinne, ein schönes Wochenende!

Ein Kommentar

  1. Der Begriff ‚ Muskeln‘ in Verbindung mit Lernen gefällt mir gut! Wie viele ‚Lernmuskeln‘ gibt es? Nutze und trainiere ich alle? Damals in meiner Schulzeit wurde der ‚Auswendiglern-Muskel‘ kräftig trainiert – aber wie steht‘s mit den Lernen durch Probieren, Lernen durch Fühlen, Lernen durch Scheitern, Lernen durch Teilen mit Anderen-Muskeln?
    Ich versuche gerade, Französisch mit Hilfe einer App auf meinem iPhone zu lernen. Kein Vokabel-Pauken, kein Grammatik-Pauken und ich lerne trotzdem – Wahnsinn! 😀😀😀

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