Schatzkiste 119 – Mach ein Business draus

Wie kann ich was bewegen? Wer taugt zum Unternehmer? Wie schaffe ich eine anpassungsfähige Organisation? Nach zwei Monaten gibt es endlich mal wieder eine Schatzkiste. Mach ein Business draus ist das Motto. Es ist ein Plädoyer für Unternehmertum und ein bisschen Unordnung.

Nugget #1 – Wie kann ich was bewegen?

Der Impuls zur Schatzkiste 119 kam durch den neuesten Gedankengang von Lars Vollmer. So manches Video von ihm hat heftig an meinen Glaubenssätzen gerüttelt. Diese Episode rannte aber offene Türen bei mir ein. Zum einen bin ich jemand, der was bewegen will. Wie oft ging mir schon durch den Kopf: „Mensch, das muss doch besser funktionieren.“ Zum anderen läuft bei uns gerade ein großes Veränderungsprojekt. Mir macht das Spaß. Dennoch frage ich mich, ob das auch alles funktioniert was man sich da ausgedacht hat. Eines steht fest, am Ende des Tages zählen die Resultate. Für die ganzen Konzepte, die ganzen Foliensätze und Rollout-Meetings zahlt dir der Kunde keinen einzigen Euro.

Mach ein Business draus, sagt der Vollmer. Dann kannst du zeigen dass die agilere, anpassungsfähigere Art zu Arbeiten Resultate generiert. Aber Moment denken sich jetzt einige, ich kann doch nicht einfach irgendein neues Business aufmachen. Passt das überhaupt zum Unternehmen? Dass muss doch der CEO erstmal in seine Strategie aufnehmen? Bevor nicht ein erstes Resultat bewiesen ist, genehmigt das vermutlich sowieso keiner. Ich stelle deshalb eher folgende Fragen: Wer sind meine Kunden? Wie schreibe ich dem neuen Kunden ein Angebot? Welche Zahlungsarten biete ich an? Wohin fließt das Geld? Eins steht fest, ich brauche Komplizen aus dem Finanzbereich. Aber nehmen wir mal an, all diese Fragen des Rahmenwerks wären geklärt. Welches Business betreibe ich? Jetzt kommt mein persönlicher Gedankengang:

In jedem Unternehmen gibt es Menschen, die etwas richtig gut können. Da ist die Expert:in für additive Fertigung, die brillante Einkäufer:in oder eine clevere Programmierer:in. Was wäre wenn wir deren Können als Dienstleistung anbieten? Die Papierfabrik kann gerade einen Einkäufer dringend brauchen – Klopapier boomt. Das örtliche Gesundheitsamt würde die Programmierer:in im Rolls-Royce von zu Hause abholen. Die Expert:in für additive Fertigung hätte beim Medizintechnikunternehmen mehr als genug zu tun. Wären diese Dienstleistungen nicht ein Business, das was bewegen kann? Was hält uns davon ab, solche Dinge zu tun? Oder gibt es das alles schon? Fehlt vielleicht nur die passende Plattform für Dienstleistungen von Unternehmen zu Unternehmen? Ich bin ernsthaft daran interessiert diesen Gedanken weiterzuspinnen. Also bitte melde dich falls du Feedback dazu hast – auch wenn mein Gedankengang absoluter Käse ist.
(3 min, Video, deutsch)

Nugget #2 – Wer taugt zum Unternehmer?

Mach ein Business draus! Brauch ich nicht erstmal Geld? Muss da nicht erstmal ein Businessplan her? Haben wir überhaupt die richtigen Leute dazu? Wenn du dir gerade diese Fragen stellst, dann ist das Video der Uni St. Gallen genau richtig. Die 10 Mythen basieren auf dem Prinzip Effectuation, das bereits in früheren Schatzkisten Thema war. Ich möchte drei Aspekte aus dem Video aufgreifen und auf den Gedankengang in Nugget #1 anwenden.

  • Das Potential zum Unternehmer steckt in allen von uns. Es braucht weder die glorreiche Idee noch ein spezielles Gen in der DNA. Was hält uns also davon ab, ein paar mutigen Menschen im Unternehmen den Freibrief zum „Business draus machen“ zu geben?
  • Die vorhandenen Mittel eines mittleren bis großen Unternehmens sind jede Menge. Wie haben die Menschen, die die Dienstleistung anbieten können. Wir haben kaufmännische Expertise. Es gibt Menschen die Ahnung von Vertrieb haben. Es gibt eine Rechtsabteilung. Da ist viel mehr vorhanden als in jedem Startup. Also was ist es das die meisten Unternehmen davon abhält?
  • Ist es der leistbare Verlust? Also der finanzielle Verlust dürfte sich in Grenzen halten. Wird die Dienstleistung nicht abgerufen, schickt man den Experten aktuell einfach in Kurzarbeit. Vermutlich ist es der psychologische oder soziale Verlust. Wie stünde denn das Unternehmen da, wenn das Business floppt?

Ich könnte jetzt noch weiter über die anderen Mythen schreiben. Das überlasse ich aber dir. Welcher Mythos hält deine Organisation davon ab, ein Business draus zu machen? Schreibe es in die Kommentare, kommentiere auf Social Media oder sende mir eine Email. (10 min, Video, deutsch)

Nugget #3 – Wie schaffe ich eine anpassungsfähige Organisation?

Wenn jetzt jeder ein Business draus machen würde, wo kommen wir denn dann hin? Das würde doch im Chaos enden. Da wäre doch im ganzen Unternehmen Unordnung. Ja das stimmt. Und das ist gut so, sagt Marcus Raitner. Sein Artikel schlummert schon seit einiger Zeit in meiner Fundkiste und komplettiert perfekt die Schatzkiste 119.

Ich glaube viele Unternehmen brauchen gerade jetzt diese Unordnung. Viele Unternehmen befinden sich auf dem Weg von FAVI in der Zeit nach Zobrist. Vorletztes Jahr noch 20% und letztes Jahr 10% Net Cash Flow. In 2020 wären es noch 5 % gewesen, aber „Corona is a b****“ und so kann das Unternehmen von Glück reden, wenn am Ende des Jahres noch eine schwarze Null steht.

Warum genehmigen wir uns nicht ein kleines bisschen Unordnung? Es muss ja nicht gleich im ganzen Unternehmen Anarchie ausbrechen. Ich habe Sir Alexander Fleming vor Augen. Ohne ein bisschen Unordnung im Labor hätte er niemals das Penicillin gefunden. Also lasst bitte ein paar Petrischalen zu. Lasst die paar Willigen ein Business draus machen. Ich bin mir sicher Euer Net Cash Flow wird in ein paar Monaten Danke sagen. (7 min, Text, deutsch)

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