Schatzkiste 130

Schatzkiste 130 – Veränderung

Liebe Freundinnen und Freunde der Schatzkiste, die erste Schatzkiste in 2021 dreht sich rund ums Thema Veränderung. Ich bin wieder mitten drin als Change Agent im Transformationsprojekt. Auch bei dir stehen sehr wahrscheinlich Veränderungen an. Vielleicht möchtest du etwas in deinem Leben verändern – mehr Sport, gesündere Ernährung oder ein Job, der mehr Spaß macht. Vielleicht steht aber auch in deinem Unternehmen Veränderung an. Deshalb habe ich eine Schatzkiste zum Thema Veränderung gepackt, die dich zum Schmunzeln und vielleicht auch ein bisschen aus der Komfortzone bringt.

Nugget #1 – Wie verhinderst du ein totes Pferd zu reiten?

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Gibt es in deinem Unternehmen keinen Veränderungsbedarf, kann das verschiedene Gründe haben. Bei manchen läuft es gut. In diesem Fall empfehle ich aber dringend Nugget #2. Manche reiten aber auch das sprichwörtliche tote Pferd. Weil die aktuelle Lage für viele wenig Anlass zur Freude ist, lassen wir das Jahr mit einem Schmunzeln starten. Dafür sorgt der Beitrag von Gertrude Henn, die 50 Wege gesammelt hat ein totes Pferd weiterzureiten. Also wenn dein Unternehmen keine Lust auf Veränderung hat, die Liste sollte eine Weile reichen. Zwei davon gefallen mir besonders gut. Einen 51. Weg lege ich sogar noch oben drauf.

Vergleiche unterschiedliche tote Pferde

Unternehmen vergleichen sich gerne mit ihren Wettbewerbern. BMW schaut sich die Verkaufszahlen von Daimler an und umgekehrt. Möglicherweise ist das aber der Blick auf ein totes Pferd. Also lieber mit Tesla vergleichen, oder? Dieses Pferdchen wirkt gerade sehr lebendig. Zumindest legt das der Aktienkurs nahe, der schwindelerregende Höhen erklimmt. Was wäre wenn auch dieses Pferd schon zu den alten Pferden gehört? Wenn Mobilität den gleichen Weg wie Videos geht, dann wird der Besitz von Autos genauso stark zurückgehen wie der Besitz von DVDs.

Das bringt mich zu Reed Hastings, dem Gründer von Netflix. Der nannte kürzlich in einem Interview nämlich nicht Amazon Prime oder HBO als Wettbewerber, die ihm Angst machen. Er sieht Fortnite als einen seiner stärksten Konkurrenten. Über 12,3 Millionen Spieler sahen im Online-Shooter einem Konzert des Künstlers Travis Scott zu. Das sieht nach wenig aus im Vergleich zu den 48 Millionen Views von Ratched, der erfolgreichsten Netflix-Serie in 2020. Allerdings waren die über eine Dauer von 28 Tagen verteilt.

Es lohnt sich also genau hinzusehen beim Vergleich mit Wettbewerbern. Die größte Gefahr lauert vielleicht weit außerhalb deiner Branche. Mit welchen Pferden vergleicht sich dein Unternehmen?

Wir beschäftigen externe Berater

Die Umsätze stagnieren oder gehen gar zurück. Der Profit schmilzt schneller als das Eis in der Arktis. Nicht wenige Unternehmen sind in 2020 sogar in die roten Zahlen gerutscht. Das ist in vielen Unternehmen der Zeitpunkt an dem eine Unternehmensberatung ins Spiel kommt. Manchmal wird das sogar von den Investoren und Geldgebern gefordert, bevor es frisches Geld gibt. Ich mag an dieser Stelle kein Berater-Bashing betreiben, denn grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden. Ein Blick von außen hilft meist die Problemfelder zu identifizieren. Selbst wenn die Probleme längst bekannt sind, braucht es manchmal einen Externen, der sie auch anspricht. Des Kaisers neue Kleider lässt grüßen.

Leider gibt es Beratungsunternehmen die Blaupausen aus der Schublade ziehen, die der Komplexität nicht gerecht werden. Man verschreibt dem schwächelnden Pferd eine Diät in Form von Personalabbau, weil es zu unbeweglich und fett geworden ist. Dabei ist das Problem nicht zu viel Futter, sondern mangelnde Bewegung. In einigen Fällen wäre aber auch der Gnadenhof die richtige Maßnahme.

Welches Pferd?

Es gibt Unternehmen, die merken gar nicht, dass sie ein totes Pferd reiten. Dann gibt es noch ein paar, die merken noch nicht mal, dass sie überhaupt ein Pferd reiten. Diese Unternehmen sind nur noch mit sich selbst beschäftigt. Eine Ursache ist die Effizienz-Falle. Man verbessert kontinuierlich seine Prozesse, sorgt für Einhaltung der selbigen und vermeidet Fehler. Alles richtig gemacht, 100% Effizienz. Wenn sich das Kundenverhalten ändert, dann hilft dir das effizienteste und fehlerfreie Produkt allerdings nichts.

Um die Effizienz-Falle ging es übrigens schon mal in Schatzkiste 116, dem Tribut an Clayton Christensen. Nugget #2 enthielt unter anderem das mahnende Beispiel von Nokia. Die waren auch so mit sich selbst beschäftigt und von sich überzeugt, dass sie gar nicht mehr gemerkt haben, welches Pferd sie da gerade reiten.

Nugget #2 – Warum sollte man verändern, wenn es gut läuft?

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Man muss nicht aufs tote Pferd warten mit der Veränderung. Man kann und sollte vielleicht auch verändern, wenn es gut läuft. Das ist die Kernbotschaft von Nicolas Korte. Entdeckt hat er es bei der Beobachtung von Widerstand bei Veränderung und ich bin froh, dass er den Artikel doch veröffentlicht hat.

Denn ich glaube sein Beitrag hilft ein paar Pferden zu einem längeren Leben. Etwas läuft gut und wird zur Routine. Wir denken nicht mehr darüber nach. Das Pferd scheint sich irgendwie zu langweilen und irgendwann ist es tot. Aber wie bricht man am besten aus diesen Routinen aus? Irgendwie fiel mir hier der Typ ein, der das Fahrradfahren verlernt hat – auf dem Backward Brain Bicylce.

Hier drei Ideen wie du und dein Unternehmen in 2021 vom Verlernen profitieren könnt:

  • Wie wäre es den Weg zur Arbeit zu verlernen? Wer weiß, welche interessanten Ecken der Stadt du durch einen kleinen Umweg entdecken kannst. Netter Nebeneffekt: Länger Frischluft und paar Schritte mehr auf dem Zähler. Oder du änderst deinen Weg ins Homeoffice. Statt vom Küchentisch direkt zum Schreibtisch nimmst den Umweg über den Park.
  • Arbeitest du in der Produktion? Wie wäre es als Rechtshänder die Arbeitsschritte mit der linken statt mit der rechten Hand auszuführen? Ich könnte wetten, dir fällt dabei etwas auf, wie man den Prozess doch noch vereinfachen kann.
  • Deine Kunden lieben dein Produkt. Der Laden brummt. Achtung, Routine! Schnell aufs Backward Brain Bicycle. Links lenken macht eine Rechtskurve. Statt deiner bestehenden Kunden sprichst du jetzt die Nicht-Kunden an, die außerhalb deiner Branche. Es wird sich am Anfang genauso bescheuert anfühlen, wie die ersten Fahrversuche von Dustin. Die Kunden werden dich nicht verstehen, und du nicht die Kunden. Aber irgendwann bist du die Erste, die ein komplett neues Segment erschlossen hat.

Ich glaube wir sollten in 2021 öfters mal Backward Brain Bicycle fahren und einfach was ändern, weil es gut läuft. Denn das rettet Pferdeleben. Welches rettest du in 2021 vor dem Tod?

Nugget #3 – Was verbirgt sich hinter „Ja, aber…“?

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Ich liebe Pecha Kuchas. Bei diesem Vortragsformat werden 20 Bilder für jeweils 20 Sekunden gezeigt. In Summe entsteht so ein sehr kurzweiliger Vortrag. Weil man das Timing vorher gut einüben muss, haben die Vorträge meist auch ein gutes Niveau. Dr. Fra Mega hat auf der Agile Night Berlin ein Pecha Kucha über Veränderung gemacht.

„Yes, but…“ ist dir sicherlich schon mal begegnet. Vielleicht sogar aus deinem eigenen Mund. Ich habe diese Worte definitiv schon gesagt und noch viel öfters gedacht. Das Pecha Kucha hat mich angeregt, hinter die Gründe für das „Ja, aber …“ zu sehen.

  • Im Beitrag von Nico Korte kam es ja schon zur Sprache. Jemanden zu sagen, dass sich etwas ändert, was bisher gut lief, erzeugt Widerstand. Leider vergessen wir oft den Menschen zu sagen, dass das Alte nicht notwendigerweise schlecht war. Meist haben sich einfach die Zeiten geändert. In den nächsten Jahren werden beispielsweise viele operative und administrative Tätigkeiten wegfallen, weil Algorithmen das kostengünstiger übernehmen. Hier ist es wichtig, den Menschen Wertschätzung ihrer bisherigen Tätigkeit zu zeigen. Sie haben ja keinen schlechten Job gemacht. Ist das mal akzeptiert, kann man im nächsten Schritt dann Perspektiven und Lernmöglichkeiten aufzeigen.
  • Schatzkisten-Leser Hans-Martin hat kürzlich ein spannendes Erlebnis mit mir geteilt. Die Situation mit einem Kunden war verfahren. Die Lösung präsentierte ihm die Drehtür im Eingangsbereich beim Kunden. Dort stand „Bitte nicht drücken – Tür dreht automatisch“. Ohne Druck auf den Kunden löste sich auch die verfahrene Situation auf.
  • Es gibt allerdings auch Unternehmen, bei denen „Ja, aber…“ Erfolgsfaktor ist. Pixar will dass kreative Ideen sofort konstruktiv kritisiert werden und nennt das Plussing. Kennengelernt habe ich das im Büchlein „Creability“. Die Iterationsspirale basiert auf dem Plussing.

3 Kommentare

  1. Da war wieder vieles zum Mitnehmen für mich dabei. Auch vieles das die Denkprozesse erstmal gehörig in Schwung gebracht hat.
    Vielen Dank

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