Schatzkiste 123 – Frauenpower

In den vergangenen Tagen bin ich auf einige Social Media Posts aufmerksam geworden, in denen es um die Sichtbarkeit von Frauen ging. Das Cover der Elektronikpraxis war einer dieser Posts:

Über irgendeinen anderen Beitrag fand ich den toll gemachten Instagramaccount von Speakerinnen.org und habe die über 6000 Expertinnen zum Thema Unternehmen und Gründungen durchstöbert. Dabei bin ich auf einige interessante Profile gestoßen, die mir so noch nicht bekannt waren.

Schließlich gab es auch viele Posts zum Audience Award des Digital Female Leader Award. Auch hier fand ich einige spannende Expertinnen, denen ich von ganzem Herzen mehr Sichtbarkeit wünsche und die jetzt auf meiner Schatzkarte für zukünftige Nugget-Beutezüge verzeichnet sind.

Das Thema lies mich irgendwie nicht mehr los und so machte ich eine Bestandsaufnahme, wie viele Beiträge von Frauen es in meine Schatzkisten schaffen. Dazu analysierte ich die Schatzkisten 110 bis 122. So schlimm wie bei der Elektronikpraxis sieht es zum Glück nicht aus. Es gab sogar vereinzelt Schatzkisten mit nur oder überwiegend weiblichem Content. Bei einem Verhältnis von 28 Männern zu 13 Frauen ist trotzdem Luft nach oben.

Deswegen ist diese Schatzkiste ausschließlich mit Impulsen von Frauen gefüllt:

Nugget #1 – Wie lässt sich die Luftfahrt revolutionieren?

Für die Luftfahrt ist 2020 ein schwieriges Jahr. Die Coronakrise sorgte dafür, dass die Lufthansa durch ein neun Milliarden schweres Rettungspaket vor der Insolvenz gerettet werden musste. Auch wenn die Coronakrise irgendwann vorüber sein sollte, ist in dieser Branche nicht eitel Sonnenschein. Obwohl das Fliegen nur etwa 2,5% Anteil am weltweiten CO2-Ausstoss hat, jede Tonne CO2 die wir sparen können bringt uns den Zielen des Klimaabkommens ein Stück weiter. Außerdem nutzt die Luftfahrt fossile Brennstoffe, die ja bekanntlich nicht unendlich zur Verfügung stehen.

In einem inspirierenden TEDx Talk zeigt Annika Paul wie die Luftfahrt der Zukunft aussehen könnte. Ich möchte drei Gedanken mit dir teilen, wie auch andere Branchen die Krise nutzen und neue Wege erkunden können.

Neues Business Modell – Flugzeugfläche as a Service

Das Sharing von Kapazitäten über eine Hardware Plattform würde den „Owned Overhead“ der Airlines drastisch reduzieren und viele neue Angebote ermöglichen. Auch in der Automobilbranche ist Sharing am Horizont. Sieht man sich an wieviel Zeit ein PKW ungenutzt herumsteht, ist es nur eine Frage der Zeit bis sich die Gesamtzahl der PKW reduzieren wird. Aber auch in anderen Bereichen lohnt das Gedankenspiel aus dem TEDx Talk:

  • Was für die Luftfahrt- und Automobilbranche gilt, lässt sich auch auf LKWs übertragen. LKW-Flotte as a Service würde für höhere Auslastung und niedrigeren Carbon Footprint sorgen.
  • Was auf Luft und Strasse funktioniert, lässt sich auch auf die Schiene anwenden. Was wäre wenn Unternehmen ein Besprechungszimmer in die Bahn transferieren? Oder wie wäre es mit einem Coworking-Space auf der Schiene?
  • Spinnen wir noch kurz außerhalb der Mobilität weiter. Kürzlich waren die Karstadt- und Kaufhoffilialen in aller Munde. Was wäre wenn diese Kaufhäuser ein Shared-Space wären, den man mit einem Modulprinzip innerhalb eines Tages umbauen kann? Popup-Stores on Steroids. In den Wochen vor Weihnachten mietet sich die Zuckerbäckerei ein, im Sommer der Surfshop und am Wochenende der Bauernmarkt.

Auch wenn sich das Konzept nicht auf alle Bereiche übertragen lässt. Gerade jetzt lohnt sich ein Blick auf neue Business Models. Wünscht du dir für dein Unternehmen Starthilfe? Dann kontaktiere mich gerne und wir entwickeln gemeinsam einen Gameplan.

Entwicklungszeit für alternative Technologien reduzieren

Auch der Umstieg von fossilen Brennstoffen auf flüssigen Wasserstoff ist Thema im Talk. Zum Nachdenken gebracht hat mich aber die Schätzung, dass die Entwicklungszeit mehr als 10 Jahre dauert. Wie könnte man solche Zeiträume signifikant reduzieren? Würde eine massive Erhöhung der Rechenkapazitäten für Simulationen helfen? Kann man Test und Validierung neu denken? Wo sind die großen Kreativworkshops und Hackathons für diese Fragestellung? Meine Befürchtung ist, dass Prozessinnovation in R&D Teams nur inkrementell aber nicht disruptiv ist. Oder kennst du Beispiele?

Wie wäre es mit komplett anderen Geschäftsmodellen?

Laut Annika Paul geht es bei der Luftfahrt um „Connecting People and Places“. Wer sagt denn, dass dies nur mit einem tonnenschweren Flugzeug geht? Menschen und Orte können auch virtuell zusammengebracht werden. Vielleicht könnten derartige Lösungen ebenfalls das Geschäftsmodell der Airlines revolutionieren? Dass Reisen grundsätzlich auch virtuell funktionieren kann, habe ich in der WandelWeltReise erprobt. Klar ist das noch weit entfernt vom realen Reiseerlebnis, aber ich denke da ist noch vieles möglich.

(16 min, Video, englisch)

Nugget #2 – Wie schafft Digitalisierung soziale Nähe?

Der How to Hack Podcast von Tijen Onaran ist regelmäßig Anlaufstelle bei meiner Schatzsuche. Unter anderem war eine Folge in der Jubiläums-Schatzkiste 100 zu finden. Zu Gast in Folge 91 war Valentina Daiber, eine von 160 Frauen in den Vorständen der 160 Unternehmen in DAX, MDAX und SDAX. Sie gab viele Einblicke wie Telefonica, aber auch sie selbst privat die letzten Monate gemeistert hat. Drei Aspekte möchte ich daraus aufgreifen:

  • Wir haben gelernt, dass durch digitale Kommunikation (z.B. via Teams) soziale Nähe entstehen kann. Ich hoffe dein Unternehmen hat ebenfalls positive Erfahrungen gemacht und lässt diese Freiheiten auch zu, wenn die Menschen wieder mehr ins Büro dürfen. Zumindest bei Telefonica scheinen die positiven Erfahrungen auch Lust auf mehr virtuelle Zusammenarbeit geweckt zu haben. Talente an anderen Standorten für sich zu gewinnen ist nur einer der vielen Vorteile. Damit das nachhaltig gelingt lohnt sich ein Blick auf die Remote Five.
  • Dass nicht alle Menschen für die Digitalisierung gerüstet sind, muss ich mir immer wieder bewusst machen. Das gilt übrigens nicht nur für die Infrastruktur (Geräte und Anschluss) sondern auch für Know-How. Wie viele Menschen in deinem Unternehmen kennen die Vor- und Nachteile von synchronen und asynchronen Kommunikationskanälen? Wer kann mit Begriffen wie Robotic Process Automation (RPA) und Maschinellem Lernen etwas anfangen? Das Kennenlernen der Möglichkeiten der Digitalisierung ist das Eine. Es braucht allerdings auch Impulse, was die Menschen tun können, wenn ein Algorithmus einen Teil ihrer Aufgaben übernimmt. Ein Brownbag Lunch wäre ein mögliches Format, um den Dialog zu eröffnen.
  • Wie gelingt es im Unternehmen Menschen zusammenzubringen, die einen sowohl stärken und inspirieren als auch mal hinterfragen und kritisches Feedback geben? Gerade der letzte Teil wird oft nur vom Chef übernommen (und selbst da kenne ich viele schlechte Beispiele). Ich habe vor einigen Wochen mal Menschen für mein Challenger-Netzwerk gesucht. Mit zwei Personen habe ich darüber gesprochen, aber ich nutze es selbst viel zu wenig. Wie findest du Menschen, die dich stärken aber auch kritisches Feedback geben?

(32 min, Audio, deutsch)

[How to hack 91] Krisenmanagement und Digitalisierung als sozialer Klebstoff

Nugget #3 – Was ist die Macht der Repräsentation?

Durch den Digital Female Leaders Award wurde ich auf Vanessa Cann, Geschäftsführerin des KI Bundesverband, aufmerksam. Da mich das Thema KI gerade in meinem Hauptberuf beschäftigt, habe ich mir einige ihrer Beiträge auf LinkedIn durchgelesen. Ihre Zusammenfassung eines Artikels aus dem Handelsblatt hat mir die kognitive Verzerrung beim Expertentum und Geschlecht nochmal deutlich vor Augen geführt. Interessanterweise suche ich gerade eine Expert:in zum Thema Maschinelle Bilderkennung mit neuronalen Netzen, die eines unserer Projektteams beraten kann. Auf unserer Liste stehen aktuell – surprise, surprise – nur Männer. Falls du also eine weibliche Expertin zum Thema kennst, kontaktiere mich gerne.

Die im verlinkten Artikel genannte „Macht der Repräsentation“ können wir wohl kaum ändern. Was wir aber ändern können ist die Anzahl weiblicher Vorbilder und deren Sichtbarkeit. Deshalb sind Initiativen wie Speakerinnen.org und der DFLA so unfassbar wertvoll. Ich möchten ebenfalls einen kleinen Beitrag dazu leisten und in meine Schatzkisten mehr Nuggets von Frauen legen. Dass es sich auch wirtschaftlich lohnt, Frauen mehr Top-Positionen, Investments und Sichtbarkeit zu geben, beweisen die zahlreichen Beispiele im Artikel. (10 min, Text, englisch/deutsch)

Frauen haben es in der Start-up-Welt immer noch schwer

Ein Kommentar

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.