Schatzkiste 127 – Netzwerke

In den letzten Wochen ging es bei mir immer mal wieder ums Netzwerken. Im Oktober hatten wir beim Brownbag Lunch, den ich gemeinsam mit Lagarde 1 und bytabo veranstalte, den Netzwerkprofi Michael Leibrecht zu Gast. Wir hatten es von digitalen Dörfern und sozialen Netzwerken, von Vermarktung und Weiterbildung. Beim Speeddating konnte ich dann einige spannende Persönlichkeiten kennenlernen. Mit vorgegebenen Impulsfragen kam man auch leicht ins Gespräch. Außerdem schreibt Alexandra Reinhart bei mir im Team gerade eine Masterarbeit zum Thema Innovationsnetzwerke. Das Thema hat so viele spannende Facetten, da könnte man sogar eine Doktorarbeit draus machen. Long story short, es wurde höchste Zeit für eine Schatzkiste zum Thema Netzwerke.

Nugget #1 – Wie netzwerke ich als Nicht-Netzwerker?

Ich bin nicht besonders extrovertiert. Im Gegensatz zu meiner Frau, die offen und schnell auf Menschen zugeht, bin ich eher der Abwartende und es dauert eine Weile bis ich warmlaufe. Ab und an halten mich Menschen deswegen sogar für ziemlich arrogant. Deswegen würde ich mich auch nicht als den „Natural Born Networker“ bezeichnen. Vor einigen Jahren hatte das auch noch etwas Negatives für mich – Seilschaften, Klüngel, Filz. Mittlerweile bin ich vom Gegenteil überzeugt, und der Artikel von Olivia Samnick spricht mir aus dem Herzen. Vor allem Irrtum #3 kloppe ich gerne mit in die Tonne.

Hier sind drei Dinge, die mir beim Netzwerken immer wieder helfen:

  • „Geben ist seliger denn Nehmen.“ Ich frage mich eigentlich nie, ob sich der Aufwand für eine Vernetzung lohnt bzw. ob ich irgendwann genug aus dieser Vernetzung herauskriege. Vielleicht mag das mancher für naiv halten. Aber bisher wurde ich nicht enttäuscht. Natürlich gibt es Kontakte, wo vielleicht nur ich geliefert habe. Aber das ist die absolute Ausnahme. Und wer weiß, ob es sich nicht doch irgendwann positiv zurückzahlt. Bisher hat mich Teilen auf jeden Fall reich gemacht.
  • Working out Loud (WOL) ist nicht nur eine gute Methode, um sich mit Menschen im und außerhalb des Unternehmens zu vernetzen. Die Circle Guides und Ressourcen helfen dir auch beim Aufbauen einer Beziehung mit Menschen, die dich interessieren. Manchmal reichen schon regelmäßige Likes oder Kommentare unter den Beiträgen in den sozialen Medien und du wirst angesprochen. Denn Autoren brauchen Resonanz und vernetzen sich gerne mit ihren Lesern. Also zumindest geht das mir so.
  • So hart es klingt, trau dich raus aus der Komfortzone. Treffe Menschen aus anderen Branchen, Kulturen und mit anderen Ansichten. Das hilft dir andere Brillen aufzusetzen, neue Perspektiven einzunehmen und frische Ideen zu erhalten.
    Das heißt nicht, dass du wildfremde Menschen ansprechen musst. Du kannst das per branchen-übergreifendem WOL Circle oder Folgen von Menschen außerhalb deiner Filterblase auf Twitter tun. Weißt du wo ich schon die spannendsten Persönlichkeiten kennengelernt habe? In Jugendherbergen. Dort verbringen wir öfters mal unseren Familienurlaub und die Atmosphäre ist lockerer und offener als in vielen Hotels. Oder du setzt dich einfach neben jemanden auf die Parkbank und lächelst freundlich. Vielleicht kommt man ins Gespräch, vielleicht auch nicht. Dann war es eben ein non-verbales Vernetzen.

(5 min, Text, deutsch)

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Nugget #2 – Was mache ich auf LinkedIn?

Einer der Orte, an denen ich viel und gerne netzwerke ist LinkedIn. Da ich viele Jahre in einem amerikanischen Konzern war, bin ich auch schon lange bei LinkedIn dabei. LinkedIn wächst auch im deutschsprachigen Raum schnell. Aktuell hat LinkedIn 15 Millionen User im DACH-Raum (das sind 2 Millionen Zuwachs year-over-year!). XING hat da zwar noch die Nase vorne mit 18 Millionen User, aber für mich ist LinkedIn definitiv das aktivere und ergiebigere Netzwerk. Gerade Content und Feed hat bei LinkedIn ganz klar die Nase vorne, auch wenn ich manchmal am Algorithmus verzweifle.

Wenn du neu bei LinkedIn bist oder dein Profil weiterentwickeln möchtest, dann kann ich dir den Artikel von Ute Blindert nur wärmstens ans Herz legen. Da sind Tipps für LinkedIn-Neulinge dabei und auch als erfahrener LinkedIn-Nutzer konnte ich noch was mitnehmen und habe mich über den ein oder anderen Refresher gefreut.

Viele sehen LinkedIn nach wie vor hauptsächlich als Recruitingportal. LinkedIn kann aber noch viel mehr und wird gerade von B2B Unternehmen noch massiv unterschätzt wird. Hier erreiche ich 15 Millionen potentielle Kunden und kann mit Ihnen in Kontakt treten. Natürlich nerven Verkäufer mit ihren copy-paste Verkaufsanfragen. Generiert ein Unternehmen jedoch guten Content über seine Themen und tritt in den Dialog mit (potentiellen) Kunden, wird das langfristig ein sehr mächtiger Kanal.

Ich nutze LinkedIn neben dem Personal Branding vor allem für die Suche nach innovativen Partnern und als Fanggebiet für meine Nuggets. Daher noch drei zusätzliche Tipps von mir, wie LinkedIn Wert addieren kann:

  • Mit Menschen vernetze ich mich auf zweierlei Weise. Zum einen nutze ich das „Folgen“ Feature. Das nutze ich für Menschen, deren Beiträge ich interessant finde, wo ich einen Dialog nicht für realistisch halte oder einfach nur ihre Beiträge verfolgen möchte. Möchte ich zu einem Thema in den Dialog treten oder finde einen Beitrag so spannend, dass ich ein paar persönliche Zeilen loswerden will, dann frage ich nach einer Vernetzung. Das mache ich immer mit einer kurzen Nachricht. In der mobilen App kriegst du diese Option erst nach einem Klick auf den Button „Mehr …“. Wie Ute Blindert auch in ihrem Artikel sagt, eine kurze Begründung für die Vernetzung kommt gut an und wird geschätzt. Solche Anfragen nehme ich auch meist ohne lange zu Überlegen an.
  • Wenn du nichts weiter tust, besteht dein Feed aus den Posts der Menschen, mit denen du vernetzt bist oder denen du folgst. Neben meinem Netzwerk folge ich auch ein paar inspirierenden Persönlichkeiten (Influencer bzw. TopVoices) und auch interessanten Unternehmen. Allerdings sorgt der LinkedIn Algorithmus, dass Unternehmensupdates nicht so häufig im Feed auftauchen (bzw. priorisiert bezahlte Updates). Zusätzlich folge ich noch einer Handvoll Hashtags, z.B. #innovation. Das spült zusätzlich interessante Beiträge zu einem Thema in meinen Feed.
  • Investiere in Serendipity. Vernetze dich auch mal mit Menschen, die auf den ersten Blick nichts mit deinem Thema zu tun haben oder aus deiner Branche kommen. Da können die spannendsten Sachen daraus entstehen. Nadja Petranovskaja ist zum Beispiel Teil meines Netzwerks. Auf den ersten Blick hat sie so gar nichts mit meinen Themen zu tun. Heute schreiben wir gemeinsam ein Buch über Entscheidungen. Psychologie und Technik haben sich bei diesem Projekt ganz gut ergänzt.

(8 min, Text, deutsch)

Nugget #3 – Was ändert sich für Chefs im Netzwerk-Zeitalter?

A propos Entscheidungen, darum geht es in einem Artikel von Ali Mahlodji, den du vielleicht aus Schatzkiste 48 kennst. Entscheidungen konnten früher viel leichter getroffen werden. Woran liegt das? Die Welt ist komplexer geworden und ist geprägt von hoher Dynamik. Grenzkosten werden immer niedriger und dadurch drängen neue Wettbewerber auf den Markt. Kunden können sich heute im Netz (!) vor einer Kaufentscheidung bestens informieren. Welches Unternehmen hat den besten Preis? Welches Unternehmen agiert nachhaltig? Dazu fällt mir spontan die Taylorwanne aus Nugget #3 in Schatzkiste 114 ein.

Die klassische Hierarchiepyramide gerät dadurch ins Wanken. Denn der Chef wird in dieser Situation zum Engpass. Bis die Signale, die vom Markt kommen an den oberen Stellen in der Pyramide angekommen sind, eine Entscheidung getroffen und wieder nach unten kommuniziert wird, hat sich die Situation längst wieder geändert. Ali Mahlodji beschreibt in seinem Beitrag daher das Bild eines Netzes. Wird vom Markt an einer Stelle gezogen, setzt sich das Geflecht in Bewegung. Informationen fließen quer und Entscheidungen werden nicht notwendigerweise im Zentrum getroffen.

Was machen jetzt die Chefs, die in der Mitte dieses Netzes sitzen? Sind die plötzlich nutzlos? Ganz und gar nicht, denn deren Aufgabe ist es für ein robustes und leistungsfähiges Netz zu sorgen. Das kann beispielsweise über das Angebot von Vernetzungsformaten passieren. Im ersten Schritt würde es aber schon reichen, auf Wissensmonopole zu verzichten. Denn nicht weitergegebene Information sorgt für schwache Knoten im Netzwerk. Und was dann passiert, wenn der Markt heftig an einer Stelle zieht, kann man sich gut vorstellen. Das Netz reißt. Chefs sollten aber auch dafür sorgen, dass die Knoten im Netz Entscheidungen treffen können. Und deshalb beende ich an dieser Stelle die Schatzkiste 127 und arbeite noch etwas am Handbuch der Entscheidungen. Das darfst du deinem Chef gerne empfehlen oder dir von deinem Chef schenken lassen 😉

(8 min, Text, deutsch)

Liebe Chefs: Ihr müsst jetzt ganz stark sein!

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