Papierschiff mit Totenkopf

Von einem, der lossegelte, das Schreiben zu lernen

Das Blog — ein Medium von gestern? Mit dieser Diskussion begann das Jahr 2021 auf Twitter:

Aus dieser Diskussion entstand auf Initiative von Meike Leopold die #liveloveblog Blogparade. Und weil ich schon lange nicht mehr bei einer Blogparade mitgemacht habe, war ein Beitrag schnell auf meinem Creative Backlog an Artikeln gelandet. Dann hing das Kärtchen erstmal eine Weile auf meinem Trello-Board fest. Das Ende der Blogparade war erreicht und gefühlt war eh alles gesagt. Valerie Wagner hat mich allerdings motiviert beim Team Overtime mitzumachen:

Für mich war das die perfekte Gelegenheit mal mit dem Piratenschiff innezuhalten und zu reflektieren. Warum mache ich das Ganze? Stimmt der Kurs noch? Oder ist es gar an der Zeit das Schiff zu wechseln? Aufs virtuelle Papier des „WordPress-Tagebuchs“ wollte allerdings nichts fließen. Selbst die Schatzkiste 132 hängt noch halbfertig in den Entwürfen. Heute hat sich aber ein Knoten gelöst und eine etwas andere Schatzkiste kann zu Wasser gelassen werden. Drei Nuggets habe ich in den bisher eingereichten Beiträgen gefunden, die mich inspiriert haben, meinen bisherigen Weg zu reflektieren und Antworten auf einige der Impulsfragen zu finden. Viel Spaß bei der Geschichte von einem, der 2017 lossegelte, um das Schreiben zu lernen.

Nicht jeder Schatz besteht aus Silber und Gold.

Der erste Nugget kommt von Valerie Wagner, die einen Blog für die Hotelbranche betreibt. Ihre Headline Bloggen verbindet ist auch einer der Gründe warum ich nach mehr als drei Jahren immer noch am Ball bin.

Wenn aus Nachbarn Komplizen werden

2017 habe ich auf WordPress.com gestartet. Als Starthilfe diente mir damals der Blogging Fundamentals Kurs. Eine der Challenges aus diesem Kurs war, seine Nachbarn zu besuchen. Wer bloggt zu ähnlichen Themen wie ich? Die Nachbarin, die ich damals gefunden hatte, heißt Nadja Petranovskaja. Dass Bloggen verbindet, kann ich also zu 100% unterschreiben. Hier ging es sogar so weit, dass aus Nachbarn Komplizen wurden. Mit Nadja habe ich in 2020 das Handbuch der Entscheidungen geschrieben. Der Blog hat mich in den letzten Jahren mit weiteren Menschen verbunden oder Resonanz zu bestimmten Themen erzeugt.

Viele Matrosen, wenig Piraten?

Bei der Zielgruppe geht es mir ähnlich wie Valerie Wagner. Vermutlich bedient auch mein Blog die Nische in der Nische. Er richtet sich an Menschen in Unternehmen, die neue Wege des Wirtschaftens beschreiten wollen. Gestartet ist der Blog mit einem Zitat von Steve Jobs als Untertitel. It’s better to be a pirate than join the navy. Wie viele der Menschen in Unternehmen interessieren sich für neue Wege des Wirtschaftens? Sind es nur die Unternehmer selbst? Und wenn ja, wie viele von ihnen sind Matrosen und wie viele Piraten?

Erschwerend kommt hinzu, das ich dabei keinen speziellen Themenschwerpunkt habe – mal gibt es was über Führung, dann wieder was zum Thema Entscheidungen und manchmal geht es auch um Innovation. Bei Piraten ist oft eben der Weg das Ziel. Deswegen habe ich mich bisher auch nicht mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt. Auf welches Thema sollte ich auch optimieren? Auch ich habe mich übrigens schon gefragt, ob ich nicht auch Beiträge wie „Die 10 besten Tipps für das Führen auf Distanz“ schreiben sollte. Allerdings will ich weder ein „Kochrezepte-Blog“ sein, noch meinen breiten Themenmix aufgeben.

Wie aus Leseempfehlungen Schatzkisten wurden

Es ist ja auch nicht so, dass ich gar keine Resonanz erzeuge. Die Schatzkisten sind mittlerweile das Markenzeichen des Blogs und ich werde immer wieder von Menschen darauf angesprochen, dass die Inhalte für sie wertvoll waren. Offensichtlich hat Captain Jack Sparrow also recht:

Nicht jeder Schatz besteht aus Silber und Gold.

Jack Sparrow

Einst begannen die Schatzkisten als Weiterempfehlung und Kurzzusammenfassung der von mir gelesenen und gesehenen Beiträge. Wenn ich mir heute die erste Schatzkiste ansehe, ist es interessant wie sich diese Rubrik weiterentwickelt hat. Um Veränderung geht es auch heute noch, und das Video von OK Go war es mal wieder wert angesehen zu werden. Irgendwann kamen auch Podcasts immer mehr in Mode und so landen vermehrt Audio-Nuggets in der Schatzkiste. Heute sind die Schatzkisten fast schon vollständige Artikel. Es geht mir immer weniger um Zusammenfassung der verlinkten Beiträge. Ich spinne weiter, suche Praxisbeispiele und nehme auch mal eine andere Perspektive ein. Ich bin überzeugt, dass das eine win-win-win Situation ist:

  • Der Content-Creator profitiert von der Weiterverbreitung und erhält Feedback wie sein Artikel resoniert. Für mich sind alle Nuggets ein Schatz, denn ich weiß was es „kostet“ guten Content zu erstellen. Nachdem Blogbeiträge offensichtlich nur noch wenig kommentiert werden, ist das vielleicht der richtige Schritt? Feedback in Form eigener Blogbeiträge?
  • Meine Leser erhalten Impulse, frische Perspektiven und oft auch Einblick in meinen Arbeitsalltag oder meinen persönlichen Weg.
  • Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich persönlich vermutlich am meisten von den Schatzkisten. Denn das Bloggen und Schreiben ist mittlerweile zum Denkwerkzeug für mich geworden. Es zwingt mich zur Auseinandersetzung mit dem Gelesenen. Ich muss Gedanken formulieren. Gerade das sehe ich als großen Vorteil von Blogs in der Welt der schnellen Likes und Re-Tweets, in der auch ich mich bewege.

F*** you Algorithmus!

Ich verlasse die Welt von Valerie Wagner und segle weiter in einen Hafen, den ich schon gut kenne. Julia und Sven, die Doppel[t]spitze, betreiben auf Ihrer Seite einen Netzwerkblog. Dort habe ich schon mal verraten warum Schätze nicht nur aus Gold und Silber bestehen. Die beiden beantworten aber auch 5 W’s zur Blogparade. Wir liegen in vielen Punkten auf einer Wellenlänge:

Yet another channel?

Wie für Julia und Sven ergänzen sich für mich die sozialen Medien und Blogs. In der Sprache des Business Model Canvas ist der Blog für mich ein Kanal. Allerdings ist er ein viel mächtigerer Kanal als aktuell alle sozialen Medien. Er ist der Kanal für die Beiträge, die am Zeichenlimit der Posts scheitern. Er ist der Kanal bei dem ich Informationen ganz nach meinen Vorstellungen gestalten kann. Last but not least bleiben bei einem selbstgehosteten Blog keine Wünsche offen. Durch Themes und Plugins kann man den Blog komplett nach seinen eigenen Wünschen gestalten.

Die Renaissance des RSS Feeds

Das bringt mich zu einem weiteren Pferdefuß der sozialen Medien – den Algorithmen. Ein Pirat strebt nach Unabhängigkeit und lässt sich ungern von einem Algorithmus vorschreiben, was gerade das Richtige Stück Content für ihn ist. Wenn dann wie beim LinkedIn Algorithmus auch noch alter Content vorgeschlagen wird, den ich sogar schon kenne, steige ich genervt aus. Wie schön, dass der gute alte Blog einen RSS-Feed bietet. So kann ich selbstbestimmt per Feedly die Blogs meiner Wahl in einer chronologisch sortierten Timeline lesen.

Vermeide den Schiffsfriedhof

Ein weiterer Nachteil von Sozialen Medien ist das Untergehen von Beiträgen. Versuch mal bei LinkedIn ältere Beiträge zu finden. Kein Vergleich zu Suche nach Schlagworten und Tags auf einem Blog. Noch schlimmer wird es, wenn ein Soziales Netzwerk den Betrieb einstellt. Es gibt einige Schiffsfriedhöfe namens Google+, MySpace oder StudiVZ (als Ü40 kennt man das noch). Da ist mein selbstgehostetes Piratenschiff schon um einiges robuster.

Wenn einer eine Reise macht…

Vom bekannten Hafen von Julia und Sven habe ich meine Segel in Richtung eines bis dahin unbekannten Blogs gesetzt. Das ist ein Vorteil von Blogparaden. Man lernt Blogger außerhalb seiner Filterblase kennen. Janett betreibt den Blog Teilzeitreisender, ein Magazin mit weit über 1000 Beiträgen und mehreren Autoren. Reiseblogs sind ja sowas wie meine heimlichen Vorbilder. Ich kann also die Hand heben auf die Frage im Titel ihres Beitrags. Ihr Beitrag hat mich auch inspiriert, mir Gedanken über die Zukunft meines Blogs zu machen.

Teilen macht reich

Die erfolgreichsten Reiseblogger können mit ihren Blogs ein akzeptables passives Einkommen generieren. Auch Janett kann einen Teil ihrer Reisen von Werbung auf dem Blog finanzieren und bekommt 30% ihrer Reisen gesponsert. Monetarisieren konnte ich meinen Blog bisher nicht. Mich hat bisher das Teilen reich gemacht, wie ich es im Netzwerkblog bei Julia und Sven beschrieben habe. Werbung möchte ich auf dem Blog auf keinen Fall schalten. Nachdem ich auf Überraschungen stehe, werde ich meinen Lesern allerdings in Zukunft anbieten mich mit etwas zu überraschen, falls Ihnen ein Beitrag gefällt oder weitergeholfen hat.

Ein Reiseblog für Menschen in Unternehmen?

Vielleicht wird CompanyPirate selbst zu einer Art Reiseblog? Die Wandelweltreise hat virtuelle Reisen an interessante Orte dieser Welt mit Gedanken zum Thema Veränderung kombiniert. Die Resonanz auf dieses Format war allerdings eher verhalten. Deswegen war nach sieben Beiträgen Schluss mit diesem Experiment. Immerhin gab es dadurch den ersten Gastbeitrag auf CompanyPirate. Warum mache ich das eigentlich nicht öfters?

So ganz abgeschrieben habe ich das Thema Reise allerdings noch nicht. Denn Menschen in Unternehmen machen sich ja bildlich gesprochen auf eine Reise. Und dafür kenne ich bisher keinen Reiseblog. Vielleicht probiere ich es auch mal mit Kategorien wie Sehenswürdigkeiten für Menschen in Unternehmen?

Leinen los – Die Zukunft von CompanyPirate

Welche Zukunft sehe ich für meinen Blog?

Bei Zukunftsvoraussagen bin ich skeptisch. Besonders wenn’s um meine geht.

Jack Sparrow

Ich mag mich daher auch nicht groß festlegen. Bei mir ist oft der Weg das Ziel. Wer weiß, vielleicht starte ich zu einem meiner Themen mal einen spezialisierten Blog. Drei Dinge habe ich mir während des Lesens der anderen Beiträge zur Blogparade allerdings vorgenommen:

  • Ich möchte endlich mal das Layout und Design meines Blogs überarbeiten. Auf den besuchten Blogs habe ich einiges an Inspiration gesammelt.
  • Die Schatzkisten werde ich auf alle Fälle weitermachen. Mir ist der Wert als Denkwerkzeug nochmal richtig klar geworden. Selbst wenn den Blog niemand lesen würde. Als digitales Journal ist er mir eine große Hilfe.
  • Ich gestalte eine Seite, wie man meinen Blog unterstützen kann.

Am Ende der Welt?

So lautet der Titel des dritten Teils von Fluch der Karibik. Eigentlich war das als letzter Teil gedacht, aber noch ist nicht Schluss mit der Piratenserie aus dem Hause Disney. Das passt auch ganz gut auf das Medium Blog. Auch hier ist noch lange nicht Schluss, wie die große Resonanz auf die Blogparade beweist. Weit über 50 Beiträge sind zusammengekommen und ich konnte meinem RSS-Reader einige interessante Feeds hinzufügen. Es lohnt sich also über die drei vorgestellten Nuggets hinaus zu stöbern. An dieser Stelle ein dickes Dankeschön an Meike Leopold für die Organisation der Blogparade. Ich verabschiede mich bis zu nächsten Schatzkiste.

PS: Jetzt wäre es an der Zeit die gute alte Tradition des Kommentierens wieder aufleben zu lassen. Ich freue mich also auf dein Feedback 😉

7 Kommentare

  1. Lieber Tobias,

    zuerst mal vielen Dank fürs Erwähnen! Es freue mich, dass ich dich inspirieren konnte. 🙂

    Dein Artikel ist sensationell geschrieben! Ich hatte Bilder im Kopf und bin mitgesegelt. Ein Traum! Das schaffe ich leider nicht immer in meinen Texten.

    Egal was du vorhast, das wird gut! Und du hast jetzt eine Leserin mehr.

    Grüße
    Valerie

    1. Hallo Valerie, vielen Dank für die Blumen. Ich arbeite gerne mit Analogien und Bildern. Immer gelingt mir das auch nicht.

      Bin mir sicher, wir können auch in Zukunft
      voneinander lernen. Auch wenn unsere Themen inhaltlich recht weit auseinander sind, so teilen wir einige der Blogger-Herausforderungen.

      LG, Tobias

  2. Es zeigt sich, das Beste kommt (zumindest manchmal) zum Schluss. #teamovertime Sehr schöne Blogparade.

    Was du in mir für Feedback geweckt hast?
    – Die Themenvielfalt ist doch ein dickes PLUS von deinem Blog. Nimmt es dir vielleicht die kontinuierlich wachsende Reichweite (a.k.a. silber und gold) , maximiert es doch die Wahrscheinlichkeit für neue spannende unerwartete und zufällige Begegnungen auf Inseln die du bei einem Themenschwerpunkt nie angesteuert hättest (a.k.a. wertvoller Schatz).

    – Blogs machen es einem begeisterten Leser nicht ganz so leicht die Begeisterung zu teilen (in einer annehmbaren Form). Vielleicht liegt hier eine Chance darin bei LinkedIn, Inst und Co. etwas inhaltsgetriebener zu teasern 🙂

    Bin gespannt, in welchem neuen Gewand der Pirat bald erscheint 🙂

  3. Spannende Bildsprache, diese liebe ich auch -. Weil ich so mehr Menschen erreichen kann & evtl. Bilder im Kopf bleiben. Ich merke das immer bei Veranstaltungen, da sind die „Merker“ immer die besonderen Momente & ich greife gerne auf diese in Gesprächen zurück.
    Das Bloggen ist für mich auf http://www.Zwingy.de in erster Linie entstanden weil ich meine IT Prinzipien veröffentlichen wollte. Erst später gesellten sich mehrere Themen dazu. Aber nicht immer bin ich konsequent & liefere immer Content. Aktuell hängt ein weiterer Entwurf unvollendet.
    Da ich aber hauptsächlich wegen mir blogge (hilft mir beim konkretisieren) finde ich das nicht schlimm & mache mir über Likes / Follower / Views, wenig Gedanken.

    1. Hallo Sebastian, danke für das Feedback. Auch bei mir ist der Blog in erster Linie zum Denkwerkzeug geworden. Bei mir läuft zwar eine Matomo-Installation. Ich habe aber schon wochenlang nicht mehr nachgesehen, wie viele Besucher auf meiner Seite waren. Gruss, Tobias

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