Schatzkiste 124 – Unternehmertum

Zum Thema Unternehmertum hatte ich schon mal den ein oder anderen Nugget – unter anderem in der Schatzkiste 119 und Schatzkiste 91. Der Beitrag aus Nugget #1 gab den Impuls, eine ganze Schatzkiste dem Thema Unternehmertum zu widmen. Du findest spannende Geschichten von Teil- und Vollzeit-Gründer:innen. Ich hoffe sie inspirieren dich zu eigenen Gründungsvorhaben und Unternehmen zu mehr Möglichkeitsräumen und weniger goldenen Käfigen.

Nugget #1 – Was sind die Vorteile von Gründen im Nebenjob?

Der Blog von Julia und Sven von der Doppel[t]spitze ist mittlerweile feste Station auf der Route des CompanyPirate-Schiffs. Um Nebentätigkeitsgenehmigung geht es in einem ihrer aktuellen Artikel. Klingt ziemlich unspannend, oder? Etwas attraktiver klingt die Frage, ob eine unternehmerische Tätigkeit im Nebenjob ein Seitensprung oder ein Quantensprung ist?

Tatsächlich wird es wohl von vielen Unternehmen als Seitensprung angesehen. Da kann die Liebe zum Unternehmen ja nicht so groß sein, wenn man sich nach Erfüllung des vertraglichen Pensums noch anderweitig austobt. Für das Unternehmen soll ausreichend Leistung verfügbar sein. Wenn sich schon eine:r unbedingt nebenher austoben will, dann aber bitte mit überschaubarer Stundenanzahl. Deswegen wird die Möglichkeit zur Gründung im Nebenjob in vielen Unternehmen zwar geduldet, aktiv beworben aber wohl eher nicht.

Ein Unternehmen, dass das nicht so sieht, ist das PREMIUM Kollektiv:

Unternehmen – und im Gegensatz zu dem, was Ihr so als Unternehmen kennt empfinde ich die Wirtschaftswelt als „unnormal“ – können eine unglaubliche gesellschaftliche Wirkung entfalten, wenn wir sie als Möglichkeitsraum begreifen. Und damit sollte ein Mensch nicht von einem Unternehmen abhängig sein.

Uwe Lübbermann

Die Stimmen der anderen Interviewpartner geben der These von Uwe Lübbermann recht. Alle der befragten Gründer haben ihn ihrer nebenberuflichen Gründung viel gelernt, haben für ihren Hauptarbeitgeber zusätzlichen Wert addiert und die Loyalität zum Unternehmen hat alles andere als gelitten.

Mit CompanyPirate habe ich auch so einen „Seitensprung“. Es gibt sowohl Vorteile für mich als für meinen Hauptarbeitgeber:

  • Die Nebentätigkeit ist ein Extra-Fitness-Programm für meine Stärken. Kreativität ist so ein Muskel, der in meinem Hauptjob nicht immer voll belastet wird. Deshalb braucht es ab und an mal einen Blogartikel oder Vortrag, um die Kreativ-Muckis weiter aufzubauen.
  • Ich habe durch die Arbeit an CompanyPirate schon viele Dinge gelernt, die dem Unternehmen „for free“ zu Gute kommen. Die zahlreichen Nuggets zu Themen wie Führung, Remote Work und Innovation flossen natürlich immer auch in meinen Hauptjob ein.
  • Als eigener Unternehmer hat man ein viel besseres Verständnis für Entscheidungen und unternehmerische Abläufe.
  • Durch CompanyPirate konnte ich auch mein persönliches Netzwerk enorm vergrößern. Auch davon profitiert mein Arbeitgeber.
  • Als Hauptverdiener einer vierköpfigen Familie ist ein stabiler Cashflow nicht zu unterschätzen. In meiner aktuellen Situation ist die Balance aus regelmäßigem Einkommen aus dem Hauptjob und hier und da Aufträge aus dem Sidebusiness genau richtig.

Ich mag aber auch nicht verschweigen, dass es die ein oder andere Herausforderung gibt:

  • Die größte Herausforderung ist Zeit – Da mein Hauptjob nach wie vor ein full-time job ist, findet die Arbeit an CompanyPirate am Abend, an Wochenenden oder aktuell an Kurzarbeitstagen statt. Da fehlt dann schon mal das erforderliche Quäntchen geistige Frische oder mal mehrere Stunden am Stück um in den Flow zu kommen.
  • Ich versuche sehr akkurat zwischen Hauptjob und Nebenjob zu trennen, um mögliche Interessenskonflikte zu vermeiden. Ob das immer richtig ist, weiß ich nicht. Sicherlich würden mehr Menschen bei meinem Hauptarbeitgeber davon profitieren, wenn ich meine Aktivitäten dort etwas sichtbarer machen würde. Umgekehrt könnte auch mein Unternehmen mehr Sichtbarkeit erlangen, wenn ich es in meinen Blogbeiträgen und Aktivitäten offener nennen würde.
  • Der stabile Cashflow aus dem Hauptjob bremst ehrlicherweise auch etwas die Geschwindigkeit bei der Entwicklung des Geschäftsmodells von CompanyPirate.

Insgesamt überwiegen aber die Vorteile eines Sidebusiness deutlich und ich kann jedem nur empfehlen, es mal zu versuchen. Melde dich gerne wenn du auf den Geschmack gekommen bist. Ich unterstütze gerne bei den ersten Schritten. Genauso gerne unterstütze ich Unternehmen, die so mehr Unternehmertum fordern und fördern möchten.

(12 min, Text, deutsch)

Nugget #2 – Wie fördern wir soziales Unternehmertum?

Meine Kollegin Susann Spindler hat mir das „HEY! INNOVERSITY“ Festival der Shiftskool als Jagdrevier für interessante Nuggets empfohlen. Das wiederum habe ich Emily zu verdanken, die auf einem Shiftskool Retreat von meinem Blog erzählt hat. Damit wäre mal wieder bewiesen, dass ich Hauptjob und Nebentätigkeit vielleicht zu gründlich trenne (siehe Nugget #1).

Jedenfalls bin ich dadurch auf die Gründerstory von Natalya Nepomnyashcha gestossen. Weil die Story nochmal besser in die Schatzkiste 124 gepasst hat, flog der vorherige Nugget kurzfristig zurück in den Nuggetspeicher. Der erste Super-Last-Minute-Nugget in der Geschichte von CompanyPirate wirkt sich zudem positiv auf die Female-Content-Bilanz aus. Aber genug der Vorrede, was können Menschen in Unternehmen von Natalyas Story lernen?

  • Über den Umweg England hat sie einen Hochschulabschluss erworben und mittlerweile auch bewiesen, dass sie das Zeug zum Gründer hat. Nach der Realschule wäre sie wohl an so mancher Stellenausschreibung gescheitert, weil Abitur gefordert ist. Unternehmertum lässt sich nicht an Schulabschlüssen ablesen.
  • Auch ehrenamtliche oder soziale Vorhaben lassen sich durch eine Unternehmensgründung realisieren. Bianka Groenewolt hat aufgeschrieben, warum sie eine gUG oder gGmbH einem Verein vorzieht. In vielen Unternehmen gibt es Aktivitäten zum Thema Corporate Responsibility. Warum nicht den engagierten Mitarbeitern die Möglichkeit geben, diese Aktivitäten in Form eines eigenen Unternehmens zu wagen? Kennst du Beispiele, wo das bereits geschieht?
  • Einen Extranugget wäre der Link hinter dem folgenden Zitat wert:
    „Das Wissen darum, dass es für jedes Problem einen Menschen in meinem Netzwerk gibt, der mir helfen kann.“
    Wir unterschätzen noch immer massiv die Kraft von Netzwerken – in Unternehmen wie auch unternehmensübergreifend. Stay tuned für eine Schatzkiste zum Thema Netzwerk.

Natalya Nepomnyashcha spricht übrigens am 28.09. auf dem HEY! Innoversity Festival über „Soziale Diversität in Unternehmen“. Tickets für eine ganze Woche Festival gibt es auf Eventbrite. Vielleicht sieht man sich ja?

(10 min, Text, deutsch)

„Ich wollte die Leute eines Besseren belehren, die mir nicht einmal das Gymnasium zugetraut hatten“

Nugget #3 – Wie fördert man Unternehmertum im Handwerk?

Hast du schon mal was von einer trialen Ausbildung gehört? Ich bis vor Kurzem nicht. Das Interview der brand eins mit Sarah Scholl erklärt, um was es geht. Die Podcastepisode mit der jungen Gründerin aus dem Handwerk ist aber auch für Menschen außerhalb des Handwerks interessant. Was habe ich aus der knappen halben Stunde mitgenommen?

  • Neben den klassischen Ausbildungswegen wie Abitur/Studium oder mittlerer Abschluss/Ausbildung gibt es eine immer größer werdende Anzahl von individuellen Aus- und Weiterbildungswegen. Am Ansatz der trialen Ausbildung gefällt mir besonders der Dreiklang von persönlicher Fertigkeit (Gesell:in), dem Weitergeben von Können (Meister:in) und einem betriebswirtschaftlichen Studium (Bachelor). Was heißt das jetzt für Personalentwicklung und Weiterbildung in Unternehmen? Ich glaube wir brauchen individuelle Lernpläne für Menschen in Unternehmen. Da vermutlich niemand den Überblick über die vielen Angebote und Möglichkeiten behalten kann, braucht es Technologie und Innovation. Kennst du Beispiele?
  • Die Corona-Krise ist eine ganz schöne Belastungsprobe für die junge Gründerin. Sich ständig verändernde Hygieneauflagen und schwankende Besucherzahlen sind nur ein paar der Beispiele für Unsicherheit. Ich halte nicht viel von den „Old Normal“ und „New Normal“ Diskussionen. Ich bin überzeugt, dass der Umgang mit Unsicherheit zu den wichtigsten Fertigkeiten im 21. Jahrhundert gehört. Denn selbst wenn das Virus im Griff ist, alleine die Klimakrise wird noch viele Überraschungen für uns bereit halten. Auch für das Thema Unsicherheit lohnt sich eine extra Schatzkiste. Also gilt auch hier – stay tuned.
  • Obwohl die triale Ausbildung ein recht modernes Format ist, scheint noch Potential bei den Inhalten zu sein. Sarah Scholl hätte sich mehr Zeit für das Thema Hochzeitstorten und das Abschauen von Tipps&Tricks gewünscht. Vielleicht braucht es in der Ausbildung etwas weniger Inhalte zu den handwerklichen Fertigkeiten und ein bisschen mehr Inhalte zu Innovation? Ich könnte mir vorstellen, dass Kreativworkshops und Methoden wie ein Value Proposition Canvas ganz hilfreich in der späteren Laufbahn sein könnten. Im Studium könnten Denkmodelle wie Effectuation oder Werkzeuge zum Entscheiden unter Unsicherheit ganz hilfreich für die jungen Gründer sein. Bist du im Handwerk oder auch betrieblicher Ausbildung unterwegs? Was meinst du dazu?

(24 min, Audio, deutsch)

[brand eins-Podcast] Sarah Schell: Mit Abi und Studium ins Handwerk

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